Fleisch schadet der Umwelt! Oder doch nicht?! – Ein Kommentar

Ständig darf ich mir anhören und im WWW lesen, dass Fleischesser den Klimawandel vorantreiben, den Regenwald abholzen und der Umwelt auf andere, fiese Arten schaden. Dazu muss ich einfach mal Stellung nehmen.meat-is-muder

Diese Argumente der Vegetarier und Veganer sind auf den ersten Blick richtig und nachvollziehbar. Ja, Fleischproduktion (ich spreche im Artikel der Einfachheit halber nur von Fleischproduktion, dabei meine ich aber auch andere Tierprodukte) pustet mehr Treibhausgase in die Luft als Gemüseproduktion, für Rinderfarmen in Brasilien wird der Regenwald abgeholzt, die Meere werden leergefischt, Korallenriffe zerstört und die Wüsten breiten sich aus, weil Rinderherden der ansässigen Nomaden Brunnen leertrinken und das Land platttreten.

Aber ist das wirklich der einzige Grund, warum diese Dinge passieren? Und ist es überhaupt der schlimmste Grund? Und sind die Veganer in ihrem rosaroten Märchenschloss wirklich die liebsten und gewissenhaftesten unter uns Menschen?

 


Diese Argumente lenken zunächst vom eigentlichen Problem ab: Wir sind zu viele Menschen auf der Erde! 

Es gibt eine kritische Zahl. So viele Menschen kann die Natur anständig (das heißt artgerecht) ernähren, ohne dass sie dabei selbst in Mitleidenschaft gezogen wird. Diese Zahl wurde schon lange überschritten. Egal mit welcher Ernährungsform, wir schaden der Natur schon einmal, weil wir zu viele Menschen sind.too-many-humans

Jetzt mal ein kleines Gedankenspiel: Wir sind aktuell 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Die (platztechnische) Kapazität der Erde, alle Menschen halbwegs gut ernähren zu können, ist bei, sagen wir, 10 Mrd. In 50 Jahren haben wir Menschen uns weiter vermehrt und diese Kapazitätsgrenze erreicht. Also überlegen wir uns, kein Fleisch mehr zu essen, denn die Produktion von Fleisch beansprucht mehr Platz als andere Nahrungsmittel. Neue Kapizitätsgrenze: 15 Mrd. Diese Grenze ist nach weiteren 50 Jahren erreicht. Jetzt hören die Menschen auf, Milchprodukte zu essen. Neue Kapazitätsgrenze. 20 Mrd., nach 25 Jahren erreicht. Also lassen die Menschen auch Eier weg und ernähren sich fortan vegan. Neue Kapazitätsgrenze: 30 Mrd. Diese ist nach weiteren 50 Jahren erreicht, die Veganer kratzen sich am Kopf und beschließen, nur noch Getreide zu essen, da Getreide (auf den Hektar Land bezogen) mehr Kalorien zur Verfügung stellt als Gemüse. Alle Menschen essen nur noch Getreide und Reis. Neue Kapazitätsgrenze: 50 Mrd. Nach weiteren 50 Jahren sind alle Menschen an Nährstoffmangel gestorben.

Ihr seht, das Problem, warum unsere Natur zugrunde geht, liegt primär nicht an unserem Fleischverzehr, sondern an der schieren Masse an Menschen. Klar, wären wir jetzt alle vegan, würde das der Erde erstmal helfen. Aber wir Menschen vemehren uns weiter. Und weiter. Auf lange Sicht ist es die einzige Lösung, unsere Zahl wieder so zu reduzieren, dass es Mensch und Natur am meisten nützt. Das ist aber leider nicht möglich, wir können uns weder alle kastrieren lassen noch diese Zahl gewaltsam reduzieren. Wie also entgehen wir diesem Dilemma? Wie sollen wir uns von unserer artgerechten Ernährung abwenden, ohne (aufgrund unserer Zahl) dabei dem Planeten zu schaden?

Das Argument der Vegetarier und Veganer, wir belasten unsere Umwelt, ist also nur oberflächlich und kurzfristig gedacht.

–Außerdem habe ich gelesen, dass wir all die Probleme, die uns und Natur heute belasten, nicht vorhanden oder nur ein Bruchteil dessen wären, was sie heute sind, wären wir nur halb so viele Menschen. 

 

Aber drehen wir den Spieß doch einmal um: Schaden Fleischlose denn gar nicht der Umwelt?

– Für das Anlegen neuer Sojafelder wird auch massig Regenwald abgeholzt und Tiere durch das abholzung_indonesien_1Anlegen von Monokulturen an den Rande des Aussterbens gebracht. Außerdem ist die Sojapflanze für die Hauptanbauländer (wie z.B. Brasilien) überhaupt nicht gemacht, sie entzieht dem Boden zu viele Nährstoffe und ist deswegen nur für geringe und begrenzte Zeit auf einem Feld anbaufähig. Ist der Boden ausgelaugt, zieht man also weiter, holzt weiteren Wald ab. Und so weiter. Dazu empfehle ich den Film „We feed the world“.

– Auch die Getreide- und Gemüseproduktion (um nur 2 Sektoren zu nennen) erzeugt Treibhausgase. Felder müssen gedüngt werden, was viel Nitrat-Dünger benötigt, die Produktion von Nitrat aus Ammoniak aus Luft ist EXTREM energieaufwendig.

– Felder werden gespritzt. Pestizide, Insektizide sowie Pflanzenhormone belasten auch die Umwelt und, über Trinkwasser, uns Menschen. Und nicht alle Vegetarier leben auch Bio.

– Reisfelder produzieren auch Methan. In einem Umfang, der mit den 1 Mrd. furzenden Kühen auf der Erde locker mithalten kann.

 

Ich entschuldige mich an dieser Stelle bei allen Vegetariern und Veganern, die auch dies berücksichtigen. Aber nicht alle sind so, diesen Menschen empfehle ich einfach mal, die Augen zu öffnen und auch sich immer kritisch zu hinterfragen. Auch schneiden die oben genannten Punkte nur einige fehlgeleitete Dinge (auch in der Veganerwelt) an, dies auch nur oberflächlich. Ich hoffe, ihr versteht das, das hier ist schließlich ein Blog, und nicht jeder Artikel ist präzise und von vorne bis hinten wissenschaftlich hinterlegt. Hier bringe ich gerade meine Meinung und mein Hintergrundwissen zum Ausdruck.

 

 

Trotzdem: Fleisch schadet (wenn auch über Umwege) der Umwelt, dass wir zu viele Menschen auf der Erde sind und das nicht ändern können, legitimiert nicht, dass wir tatenlos zusehen und kiloweise Fleisch verzehren können, während woanders ganz andere Probleme sind. Was kann man also tun?

– weniger Fleisch essen

– auf Qualität des Fleisches achten und nicht jeden Schrott essen

– auf Herkunft des Fleisches achten (möglichst regional und artgerecht erzeugt ist Trumpf)

– Fleisch durch andere Proteinquellen ersetzen, z.B. Eier (Bio) oder nachhaltig gefangenen Fisch

 

Somit leibt jedem selbst überlassen, wie er mit dem „Fleischproblem“ umgeht. Dass es nicht gut sein kann (weder für Erzeuger oder Verbraucher noch für die Tiere und Umwelt), wenn das Kilo Hähnchenkeulen im Aldi 1,50€ kostet, ist ja wohl klar. Hier wird auf Kosten der Tiere (Massenhaltung) und Natur (Sojafutter) der Preis gesenkt. Ein bisschen gesunder Menschenverstand hat hier noch nie geschadet. Paleo bedeutet auch Nachhaltigkeit und artgerechte Tierhaltung. Das ist nicht nur besser für Mensch und Natur, sondern auch gesünder für unseren Körper.

Allerdings schaden wir schon allein durch unsere Masse an Menschen der Natur, fast unausweislich, egal, wie wir uns ernähren. Wir können aber den Schaden reduzieren/minimieren, indem wir auf die oben genannten Punkte achten. Kostet zwar ein paar Mark mehr, aber lohnt sich geschmacklich und gesundheitlich und umwelttechnisch immens.

Wer sich weiter zum Thema Nachhaltigkeit informieren möchte, dem kann ich die Seite Urgeschmack.de sehr empfehlen.

 

 

Ich bitte um reichlich Kommentare, Meinungen und Kritik. Reichlich 🙂

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2 Gedanken zu “Fleisch schadet der Umwelt! Oder doch nicht?! – Ein Kommentar

  1. Hallo Matinxy

    Ich stimme dir überwiegend zu. Auf jeden Fall sind wir zu viele Menschen, es gibt kaum noch Spielraum, uns artgerecht zu ernähren. Ich sehe aber weit und breit keine Lösungsansätze für dieses Problem, keine Einsicht, im Gegenteil. („Die Deutschen sterben aus“, wie denn?? wir sind 80 Mio. auf so einer kleinen Fläche!)
    Die konventionelle Landwirtschaft mit ihren Monokulturen und der Massentierhaltung ist katastrophal. Die Pflanzenproduktion zerstört den Mutterboden, vergiftet Boden und Wasser, führt zur Ausrottung von Arten, sie steht meiner Meinung nach in ihrer Zerstörungskraft nicht hinter der konventionellen Fleischproduktion zurück. Die beiden hängen untrennbar zusammen. So gesehen ist es auch nicht zu verantworten, Pflanzen aus konventionellen Monokulturen zu essen.
    Ich würde nicht pauschal sagen: Fleisch schadet der Umwelt. Ebenso wenig schadet eine organische Pflanzenproduktion in Mischkulturen der Umwelt. Tiere, die artgerecht auf Weiden gehalten werden, tragen mit ihren Ausscheidungen zum Aufbau der Humusschicht bei.
    Mal ganz platt gesagt: die Welt ist doch seit ewigen Zeiten bevölkert von Massen von Tieren. Wenn sie in der Natur leben, werden die Grasfresser von den Raubtieren in Schach gehalten, sie düngen die Erde, der Boden lebt und alles ist eigentlich bestens.
    Bis der Mensch anfängt, sich von der Natur abzukoppeln, eine an Gewinn, Geld und Weltmarkt ausgerichtete „Landwirtschaft “ zu betreiben und sich dann auch noch wie irre vermehrt.
    Ich finde deinen Beitrag gut, Es ist wichtig, klarzumachen, dass nicht das Fleischessen an sich das Problem ist, sondern unsere gesamte Landwirtschaft. Wir brauchen dringendst eine andere.

    • Danke für deinen Kommentar Barbara. Ich bin da ganz deiner Meinung, was du schreibst, lässt sich lückenlos dem Artikel anfügen.
      Ich wollte nicht auf alle Aspekte der Fleischproduktion eingehen und den Artikel einigermaßen kurz halten, aber du hast völlig recht, Fleisch ist nicht gleich Fleisch (sowohl hinsichtlich Produktion als auch Verzehr und Gesundheit), da muss man natürlich klar differenzieren. Artgerecht gehaltene Tiere schaden der Umwelt höchstens in ihrer Zahl, tragen aber zu vielseitigen Ökosystemen bei. Und die konventionelle Landwirtschaft ist klar das große Übel, Thilo Bode hat dem ein ganzes Buch gewidmet („Abgespeist: Wie wir beim Essen betrogen werden und was wir dagegen tun können“), sehr aufschlussreich. Vllt. folgt noch ein Kommentar zu dem Buch.
      Dagegen, dass wir zu viele Menschen sind, können wir nichts machen, wir können aber aus dem, was wir haben und können, das beste machen. Heißt für mich nachhaltig und regional. Allemal besser als kurzfristige Massenproduktion, die uns ausbluten lässt.

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