Ist Rapsöl gesund?

Moin moin 🙂 letzte Woche habe ich in diesem Beitrag geklärt, was Raps ist, wie Rapsöl hergestellt wird. Mit diesem Hintergrund möchte ich heute die Frage klären, ob Rapsöl gesund ist.

canola

Fortsetzend: […Um diese negativen Aspekte zu umgehen, ist kaltgepresstes Rapsöl die bessere Wahl als industriell erzeugtes. Aber ist sie auch die beste Wahl? Ist es trotzdem das, wie in diesem Video angepriesen, „gesündeste Öl der Welt?“]

 

Argument 1: Rapsöl ist das Öl mit den wenigsten gesättigten Fettsäuren [1]

Alter Stand der „Wissenschaft“, gesättigte Fettsäuren sind viel besser als ihr Ruf. Ausführlicher diskutiert habe ich das in diesem Artikel. Außerdem enthält Rapsöl nur vernachlässigbar weniger gesättigte Fettsäuren im Vergleich zu anderen pflanzlichen Ölen (z.B. Olivenöl hat 14% [2], Sonnenblumenöl 9% [3]), Argument hinfällig.

Mehr wissenschaftliche Beweise, die für (und nicht gegen) gesättigte Fette sprechen, findet ihr im Schnellverfahren hier:

[4] [5] [6] [7] [8] [9]
Argument 2: Rapsöl enthält viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFAs), allen voran Omega-3-Fettsäuren

Das stimmt. Rapsöl enthält 28% PUFAs mit einer Omega-6 : Omega-3 ratio von 2:1, was dem Verhältnis der Ernährung unserer Vorfahren sehr nahe kommt. [1]

Allerdings eignen sich PUFAs nicht zum Kochen/Braten, da sie nicht hitzeresistent sind und schnell oxidieren oder Transfette bilden.

Eine bessere Alternative zum Braten wäre z.B. Olivenöl, welches viel weniger PUFAs enthält und somit hitzeresistenter ist. [2]

Geht man rein nach dem Omega-3-Gehalt, sollte man lieber zu Leinöl greifen. Das enthält einen unschlagbaren Anteil von 53% Omega-3-Fettsäuren und einer ratio O-6 : O-3 von 1:4 [10]. Eine in der Hinsicht gesündere Alternative, allerdings aufgrund des hohen PUFA-Anteils vom Kochen ungeeignet, aber als Salat-Dressing umso besser.

 

Argument 3: Rapsöl ist mit seinen einfach ungesättigten Fettsäuren (MUFAs) eindeutig cholesterinsenkend

Wieder richtig. Rapsöl besteht aus 63% MUFAs, vornehmlich Ölsäure, welche auch in Olivenöl vorherrscht. MUFAs werden cholesterinsenkende Wirkungen nachgesagt. Außerdem wirkt es vielen Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegen. (Artikel folgt)

Auch wenn es eine Möglichkeit ist, ist es nicht die beste Möglichkeit, wie sie angepriesen wird. Olivenöl enthält mehr MUFAs (73%) und weniger als halb so viele PUFAs (11%) und wäre nach dieser Argumentation das bessere Öl zum Braten.

 

Was gibt es noch über Rapsöl zu sagen?

PUFAs

Die vorherrschende Omega-3-Säure im Rapsöl ist die Alpha-Linolensäure (ALA). Damit diese in unserem Körper ihre Wirkung als Strukturbaustein oder Hormon entfalten kann, muss sie in die Säuren EPA oder DHA umgewandelt werden. Diese Umwandlung erfolgt aber nur mit einer Erfolgsquote von 6% bei EPA and 3.8% bei DHA. [11][12]Es wäre also besser, direkt EPA oder DHA, welche in tierischen Fetten vorkommen, zu essen. Also lieber viele Bio-Eier und fetten Fisch (100g Wildfang-Lachs enthalten 2g Omega-3, 100g Aquakultur-Lachs 2,5g Omega-3) essen statt Rapsöl, wenn man von Omega-3-Fetten profitieren möchte. Außerdem: Auch wenn PUFAs für den menschlichen Körper essentiell sind, heißt das nicht, so viele wie möglich zu konsumieren, schon gar nicht aus pflanzlichen Quellen. Wenn man es überall hinzugibt, läuft man Gefahr, zu viele entzündungsfördernde Omega-6-Fette zu chef-pouring-olive-oil-on-a-saladkonsumieren.

Nährstoffe

Rapsöl ist, verglichen mit anderen Ölen und Fetten zum Kochen, relativ arm an Nährstoffen. Verglichen mit Olivenöl enthält es etwas mehr Vitamin E & K, verglichen mit Butter, das ein breiteres Spektrum an Vitaminen und Mineralstoffen enthält, steht es eher schlecht da [13]. Außerdem enthält es in etwa genauso viel Vitamin E wie Leinöl [14], dank der besseren Fettsäurezusammensetzung würde ich auch hier Leinöl als kalte Variante bevorzugen.

 Frittierfett

Rapsöl ist mit Sonnenblumenöl und Sojaöl das beliebteste Öl zum Frittieren. Warum? Weil es so unschlagbar billig ist, und nach dem Frittieren (bzw. nach einem/mehreren Tagen) wird das Öl weggeschüttet. fries in oilWirtschaftlich gesehen also nachvollziehbar. Gesundheitsphysiologisch gesehen ein Desaster, da die PUFAs in hohem Maße zu künstlichen Transfetten reagieren. In dem Sinne ist Rapsöl also eher ein Wegwerfprodukt. Die Menschen haben ihre Gründe, dieses Billigprodukt zum Frittieren zu benutzen.

 

 Gibt es noch andere Argumente für Rapsöl?

– Klar, wenn man sie sucht, findet man auch welche. Ich behaupte ja auch nicht, dass Rapsöl ein katastrophal schlechtes Öl ist, nur, dass es bessere und gesündere Alternativen gibt. Es bringt zum Bleistift Vorteile gegen hohe Cholesterinspiegel [15] oder erhöht in mancher Studie die Blutfettwerte im Vergleich zu Milchfett [16]. Aufgrund der Inhaltsstoffe sind diese Vorteile aber bei meinen genannten Alternativen besser einzustufen als bei Rapsöl.

 

Antinährstoffe

Die moderne Rapspflanze wurde dahingehend gezüchtet, möglichst wenig der genannten (letzter Artikel, Link s.o.) Gefahrstoffe zu enthalten. Mit Sicherheit enthält diese Pflanze, für dessen Verzehr der Mensch nicht gemacht ist, sicherlich noch andere Antinährstoffe/Toxine, die ich in meiner kurzen Recherche noch nicht gefunden habe. Wenn ihr da gute Quellen für mich hättet, wäre ich euch sehr dankbar.

 

Ist Rapsöl paleo?

Auf diese Frage haben sicher auch einige von euch gewartet 🙂

Bei Rapsöl ist das etwas knifflig. Die einfachste Regel bzw. Überlegung, ob etwas paleo ist, ist folgende:

„Ist es, wenn man es in freier Wildbahn findet, gefahrlos und bedenkenlos essbar?“ 

Pro:

– In freier Wildbahn ist per se bei Raps hinfällig, da diese Pflanze das Produkt vieler Züchtungen und Gentechnik ist. Also nein. Andererseits kann man argumentieren, dass das meiste Obst und Gemüse, welches wir heute kennen, das Produkt jahrtausendealter Züchtung ist. In dem Sinne also ein ja. Ja, was denn nun?

– Rapsöl kann, wie natives Olivenöl, aus Kaltpressung gewonnen und sofort verzehrt werden. Es enthält dann anscheinend (sonst könnten wir es nicht essen) keine nennenswerten Mengen an Toxinen oder anderen widerwärtigen Bitterstoffen.  In dem Sinne also auch ein ja.

Contra:

– Geht man von der ursprünglichen Raps-Pflanze aus, welche es noch bis vor 50 Jahren überall gab, ist die Antwort ein klares nein. Der Anteil gesundheitsgefährdender Stoffe (v.a. Erucasäure) ist zu hoch (s. Wikipedia)

– Ist unser Körper Rapsöl gewöhnt? Viele Produkte verzehrt man im Rahmen der Paleo-Ernährung nicht mehr, da sich unser Körper noch nicht daran angepasst hat. Rapsöl kennt unser Körper in dieser Form erst seit max. 40 Jahren Jahren. Also nein.

– Die Pflanze ist massiv und erst kürzlich gezüchtet und gentechnisch verändert worden. Mit Natürlichkeit hat Rapsöl nicht viel zu tun. Es ist eher ein Produkt moderner Wissenschaft. Das widerspricht aber klar den Richtlinien der Paleo-Ernährung.

 

Zusammenfassend muss man sagen, dass die moderne, gezüchtete und gentechnisch veränderte Rapspflanze per definitio paleo ist. Allerdings entkräftigt das der Zusatz „modern und gentechnisch verändert“, da unser Körper streng genommen dieses Nahrungsmittel nicht gewöhnt ist (noch weniger als Zucker). Von daher würde ich als Paleo-Anhänger vom Verzehr von Rapsöl abraten. [Auch wenn es bei genauer Betrachtung sowohl paleo als auch nicht-paleo ist, man kann beide Seiten argumentieren]

 

Fazit:

Rapsöl ist aus meiner Sicht ein hochgradig überschätztes Öl zum Kochen. Es steht in allen Argumenten, die dafür sprechen sollen, anderen Ölen nach. Zur kalten Verwendung empfehle ich Leinöl oder Olivenöl, da bessere Fettsäurenzusammensetzung, und zum Braten, wenn schon Öl, dann doch lieber Olivenöl. Das ist um einiges hitzeresistenter. Oder gleich Kokosfett oder Ghee (Butterschmalz), wenn es länger dauern soll. Es ist an sich kein schlechtes Öl (wie z.B. Sonnenblumenöl oder Distelöl), aber auch kein sehr gutes (da es bessere Alternativen gibt).

Es steckt allerdings eine große Lobby dahinter, die es vermarkten will, da Raps ein Produkt mit hoher Gewinnspanne und hohem Umsatz bei wenig Platzaufwand ist. Das Wirtschaftliche solltet ihr dabei immer im Hintergrund behalten.

 

 

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Ein Gedanke zu “Ist Rapsöl gesund?

  1. Pingback: Olivenöl – Das Öl deiner Wahl!! | Kitchen on fire

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