Warum Ernährung nicht alles ist

Heute will ich mal einen ganz anderen Ansatz verfolgen für Gesundheit und Glück im Leben. Nicht den Ansatz der Ernährung (worauf ich eigentlich immer eingehe), sondern den der Psychologie. Einen Ansatz, der mindestens genauso wichtig ist wie gesunde Ernährung.

Als Biochemiker lerne ich täglich, wie unser komplexer Körper auf jeden Reiz, dem wir uns aussetzen, reagiert, im Positiven wie im Negativen. Essen wir einen guten Apfel, freut sich unser Körper und nimmt sich Vitamine und Mineralstoffe und verarbeitet sie fröhlich. Davon hängen zig Hormone ab, die unseren Stoffwechsel kontrollieren. Aber diese Hormone, die unseren Körper aufbauen, werden nicht nur durch Essen aktiviert/deaktiviert. Sondern auch durch schlichtes Glück im Leben.

Ich verfolge gerne die TedX-Talks, die immer mal im englischsprachigen Raum stattfinden. Interessante Leute mit neuen und alternativen Lösungen auf alltägliche Probleme bekommen dort die Möglichkeit, ihre Gedanken auszudrücken.

Dabei bin ich auf den Talk von Lissa Rankin gestoßen. [Hier der Link]

 

Lissa hat sich gefragt, wie man Patienten optimal behandeln kann. Sie hat beobachtet, wenn man ein Symptom eines Patienten behandelt, und es wird besser, taucht woanders ein neues Symptom heraus. Wenn man das Übel nicht an der Wurzel packt, wird der Patient nie wirklich gesund. Medizin beschäftigt sich mit dem Kurieren von Symptomen, nicht mit dem Heilen des verursachenden Problems, daher ist ein psychologischer Ansatz besonders interessant, weil es erlaubt, tiefer als nur Haut und Knochen zu durchdringen.

Eine Beispielpatientin hat ihr viele Sorgen bereitet: Sie war Veganerin (ob das gesund ist wird hier nicht diskutiert), lief Marathons, nahm zig Nahrungsergänzungsmittel, aber war immer krank. Bis ihr Lissa die eigentlichen Gründe nannte, warum sie immer krank war: Sie war in einer Ehe, in der sie misshandelt wurde, und hasste ihren Job. Sie war chronisch unglücklich und gestresst.

Lissa war nach jahrelanger Recherche und Analyse zahlreicher Studien zur Einsicht gekommen, dcairnass das Gute manchmal näher liegt:

Sie vergleicht uns mit einem sog. Cairn (in Kanada heißt es inukchuk). Es ist eine Einheit aus Steinen, die aufeinander aufbauen und perfekt ausbalanciert sind. Der unterste Stein ist unser Geist, unsere Seele. Er trägt uns. Der oberste Stein ist unser Körper. Er merkt als erstes, wenn irgendwas in unserem Leben aus dem Gleichgewicht gerät. Er wackelt, und machmal fällt er herunter. So erklärt sie, was uns eigentlich gesund macht, mindestens genauso, wenn nicht noch mehr als Ernährung:

 

– gute Beziehungen mit guten Menschen

– Glück und Erfolg im Beruf

– Kreativität ausleben

– mit Anderen geistig verbunden sein

– ein gutes Sex-Leben

– finanziell stabil sein

– in einer gesunden Umgebung leben

– viel in der Natur seinglueck

– mental fit sein

 

All das … liegt so nahe, und doch entfernen wir uns so oft davon und konzentrieren uns lieber auf eine bestimmte Anzahl Ballaststoffe und Vitamine, die wir täglich essen sollten. Mit einem geliebten Menschen einen Spaziergang im Grünen machen, bringt dem Körper (und der Seele) genauso viel.

Warum lesen wir so selten davon? Ganz einfach: Keine Industrie kann damit Geld verdienen, wenn sie uns sagt, wir sollen, um gesund zu sein, unser Sozialleben pflegen, glücklich sein. Aber das sollten wir uns ständig im Hinterkopf behalten. Wer chronisch unglücklich ist, ist chronisch gestresst, und Stress macht auf Dauer krank. Ganz einfach. Ob der Stress vom McMenü oder vom Ehestreit kommt, ist dabei einerlei.

Die Seele ist unser Innerstes, unser Herz, der spirituelle Funken, der uns Liebesbriefe schreiben lässt (oder uns Hass spüren lässt), die Seele ist besser als jeder Arzt, kann uns besser heilen als jedes Medikament. Selbstheilung ist etwas unterschätztes und vergessenes, unser Körper ist zu mehr fähig, als wir glauben. Die Seele ist dabei der Kleber, der uns wieder flickt und uns zusammenhält.

„When your life falls apart, you either grow – or you grow a tumor.“

 

stress

Fragt euch einfach mal selbst ein paar Fragen (vielleicht hilft es, sich das aufzuschreiben):

– Was macht mich WIRKLICH krank?

– Was ist die eigentliche Diagnose?

– Was brauche ich?

– Was ist gut an meinem Leben, was nicht?

– Was kann ich verbessern und verändern?

– Wie kann ich mein Leben glücklicher gestalten?

– Wie ehrlich bin ich zu mir selbst?

 

An mir bemerke ich das auch oft. Wenn ich eine harte Woche an der Uni hinter mir habe, von früh bis spät auf den Beinen und gestresst, was ein Abend mit Freunden und geliebten Menschen bewirken kann. Wie glücklich das machen kann.

Der Wissenschaftler sagt dazu, dass Glückshormone die Regeneration des Körpers ankurbeln, dass sie neue Nervenzellen im Gehirn wachsen lassen, dass sie den Stress abbauen. Sachen, die wir manchmal mit einem Apfel gar nicht erreichen können.

Beziehungen zu anderen Menschen sind etwas Überlebenswichtiges. Pflegt sie, hütet sie, baut sie aus. Ich will nicht sagen, nur noch mit Freunden abzuhängen und seine Ernährung zu vernachlässigen. Sondern ein gutes Gleichgewicht zu finden. Ernährung ist gut und wichtig, jedoch nicht alles und kann alleinig nicht den ganzen Menschen erfassen. Denkt daran, wenn ihr demnächst von Freunden zum Eisessen eingeladen werdet. Was, wenn das (voller Milch und Sahne und Zucker) Eis eurem Körper doch mehr Gutes tut, wenn es mit Freunden daherkommt, als allein daheim zu sitzen und einen Apfel zu essen?

Felix von Urgeschmack.de hat in diesem Artikel die Frage gestellt, ob Getreide immer ungesund ist. Das Ergebnis: Liebe, das im selbstgebackenen Brot steckt, kann das Brot gesund machen. Egal, was es ist, wenn wir Liebe hineinstecken, machen wir alles gesünder. Das könnte erklären, wie manche Italiener weit über 100 Jahre alt werden, obwohl (oder weil?) sie sich jeden Tag selber Nudeln machen.

Das soll nur als grober Denkanstoß dienen, denn über den Menschen (aus psychologischer und physiologischer Sicht)  ließe sich noch vieles Schreibenswertes berichten und kann dem hier kaum gerecht werden. Fakt ist, der Mensch ist komplex und faszinierend und bei weitem weniger einfacher erfasst als der normale Nahrungsexperte oder Facharzt gerne zugibt und es wird spannend werden wie sich das in der Zukunft entwickelt.

 

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Ein Gedanke zu “Warum Ernährung nicht alles ist

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