Das Stress-Monster: Teil I

 Das Stress mOnster

Es lauert unter deinem Bett…

Wer kennt das nicht? Klausur, Referat, Vorstellungsgespräch, Muffesausen vor der Hochzeit, oder bevor der Zahnarzt mit dem Bohrer ansetzt… Stress hat ein schlechtes Image… leider zu unrecht! Die Medien schmeißen mit dem Begriff nur so um sich (z.B. Tod durch Stress) – da fällt es schwer noch durchzublicken. Ich möchte vorschlagen, dass Stress viel missverstanden wird, und darum soll diese Serie als Herausforderung dienen und versuchen der wahren Natur des Stress-Monsters näher zu kommen:

Stress an sich ist neutral –und ist reine Interpretationssache

Lasst mich erklären…

Was ist Stress?

Walking sausage of death

Oh no! It is … the Walking Sausage of Death!

Stress kommt aus dem Englischen und wurde in erster Linie in der Physik gebraucht und bezeichnet Druck oder Spannung auf ein Objekt (http://www.oxforddictionaries.com/) und wurde dann von der Psychologie übernommen. Man spricht von sog. Stressoren (das sind Ereignisse oder Personen) die dann zu einer Stressreaktion führen. Also wenn wir von Stress reden, dann meinen wir diese Stressreaktion. Wenn wir also sagen, dass wir „gestresst“ sind, dann meinen wir in erster Linie die Auswirkungen von Stressoren (z.B. viel Hausaufgaben kosten mehr Energie, wir haben weniger Freizeit und sind daher etwas launischer). Jetzt aber das interessante:

Stress spielt sich sowohl auf einer biologischen (Körpersache) als auch auf einer psychologischen (Kopfsache) Ebene ab.

Die Biologische Perspektive

Ein kleines Gedankenexperiment: Welche der folgenden Kontexte trifft auf folgende Beschreibung zu?

>>… Hunderte von Augenpaare sind erwartungsvoll auf dich gerichtet. Du weißt, in einer Minute wird es darauf ankommen! Deine Hände beginnen zu schwitzen, Gedanken rasen mit Lichtgeschwindigkeit durch deinen Kopf (ein Versagen wäre katastrophal!), und dein Herz schlägt dir bis zur Brust. Noch ein letztes Mal atmest du langsam aus, bevor du mit knirschenden Zähnen und geballten Fäusten nach vorne trittst…<<

Beschreibt die Situation…

a)     … einen Vortrag vor deinem Jahrgang?

b)     … einen Elfmeter vor vollem Stadium?

c)      … einen (Hochzeits-) Antrag vor versammelten Freunden/Familie?

d)     … Sprung vom 10-Meter-Turm?

Wie würdest du wählen?

pingu

Putzig… ein Pingu 🙂

In meinem Viertsemester mussten wir eine Gruppenpresentation halten. Weil das Fach Sportpsychologie war, waren ca. 90% angegehende Sportwissenschaftler (und auch potentielle Bodybuilder), nur ein paar schüchterne (und zugegeben: schmächtige) Psychologen haben sich unterzumischen gewagt. Kurz vor unserer Presentation gestand einer meiner Teamkollegen:

„Ich hatte nie Probleme vor vollem Publikum um die englische Meisterschaft zu boxen, aber hier vor nur 60 Mann für 3 Minuten zu reden gibt mir echt den Rest…“

Für mich wäre das gerade andersrum gewesen! In der prall-gefüllten Arena zu boxen – mein schlimmster Alptraum!

pingu of death

Pingu?! Sausage of Death ain’t got nothing on me!!

Fakt ist, jeder würde eine andere Antwort wählen. Was für den einen ein positives Gefühl auslöst (Nervenkitzel vor Herausforderung, z.B. Boxen) könnte schlichtweg pure Folter für jemand anderen sein (mich!). Was also haben die unterschiedlichsten Menschen in den oben genannten Situationen gemeinsam? Die Körperreaktion, wie beschrieben. Betrachtet man nur allein die Körperreaktionen (Herzrasen, Schweiß etc.) müsste man feststellen, dass alle Situationen zu einem gewissen Maße „stressvoll“ sind.
Doch wie die Situation wahrgenommen wird ist grundlegend verschieden; Des einen Freud – ist des anderen Leid.

Oder anders ausgedrückt: Gleiche Situation kann zu verschiedene Reaktionen führen. Sky-diving zum Bleistift: Manche lieben es (wie Martin) und der pure Gedanke allein löst höchste Glücksgefühle aus. Andere hingegen (ich!) jagt der alleinige Gedanke spasmodische Angstgefühle aus.

In beiden Fällen wird Stress empfunden, doch die Situation wird grundlegend anders interpretiert. Daher können alleine die Körpersignale nicht als aussagekräftiger Beweis für Stress dienen. Kann es daher möglich sein, dass dies in allen Situationen mit Stress der Fall ist? Die Wissenschaft sagt ja.

 

Die Kognitive Perspektive

Aus psychologischen Perspektive ist Stress vor allem Kopfsache; Folkman & Lazarus und Kollegen (1984) beschreiben, dass Stress daher kommt, weil wir denken einer Herausforderung nicht gewachsen zu sein; Wir meinen, nicht die Fertigkeiten zu haben oder nicht genug (oder die richtigen) Ressourcen zur Verfügung haben.

negative Stressreaktion = Herausforderung > eigene Mittel (Fähigkeiten, Resourcen, etc)

Gängiges Beispiel: du spazierst durch die Pampa im wilden Afrika und begegnest plötzlich einem Löwen in freier Wildbahn Oh nein- keine Waffe zur Hand! Nirgends ein Versteck, nirgends Hilfe! Natürlich wirst du völlig „gestresst“ sein.

Doch dann fällt dir plötzlich wieder ein, dass du einen schwarzen Gürtel in Karate und Taek-won-do hast und schon (natürlich als Teil deiner NAVY SEAL-Ausbildung) mit Krokodilen im südlichen Kongo gerungen hast, und deine negative Stressreaktion („Hilfe! Ich werde Sterben!“) wird zu einer positiven – einer Herausforderung („Komm zu Papa, Miezi-miezi!“). Wie oben beschrieben (Vortrag vs Antrag vs Elfmeter) wirst du in beiden Situationen Herzrasen verspüren, deine Muskeln beginnen sich zu kontrahieren, dein Körper wird kampfbereit.

positive Stressreaktion = Herausforderung < eigene Mittel (Fähigkeiten, Resourcen, etc)

Daher ist der grundlegende Unterschied deine Einstellung und Gedanken gegenüber der Herausforderung.

 

 

Zugegeben, dass ist jetzt nicht sonderlich hilfreich auf den ersten Blick. Macht aber den Unterschied aus zwischen Leben und Tod. Und das meine ich wort-wörtlich. Mehr dazu in Teil II


 

Nota Bene: Angeregt wurde dieser Artikel von meinen Psychologiekursen (Sport Psychology, Personality Psychology, Social Psychology) und von diesem TED-talk (für alle, die es vor Spannung nicht aushalten 😉

Wer mehr lesen möchte (auf Englisch von google.scholar):

Folkman, S., Lazarus, R. S., Gruen, R. J., & DeLongis, A. (1986). Appraisal, coping, health status, and psychological symptoms. Journal of personality and social psychology50(3), 571.

 

Originale Veröffentlichung: 14. Juni 2014

Letztes Update: 10. Juni 2015

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4 Gedanken zu “Das Stress-Monster: Teil I

  1. Pingback: Teil 3: Stress… dein Freund? | Kitchen On Fire
  2. Pingback: Das Stress-Monster: Teil II | Kitchen On Fire
  3. Pingback: Das Stress-Monster – Teil IV | Kitchen On Fire
  4. Pingback: Praktische Insights | Kitchen On Fire

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