Solidarische Landwirtschaft – ein Zukunftsmodell?

Hallo 🙂

entschuldigt bitte meine Abwesenheit –  die Klausurphase hat ihre Tribute gefordert 😉

Also wieder frisch ans Werk:

Heute die Frage, ob solidarische Landwirtschaft ein sinnvolles Modell ist und ob es Potential in der Zukunft hat.

 

Aber zunächst sei geklärt: Was ist solidarische Landwirtschaft?

 

Dazu muss ich kurz weiter ausholen. Klassische Landwirtschaft sieht so aus, dass der Bauer eine Reihe von Produkten (Getreide, Gemüse, Fleisch, Eier, …) über das Jahr verteilt produziert und -in den meisten Fällen- entweder an einen Zwischenhändler (der dann an Supermärkte weiterverkauft) oder direkt an den Kunden verkauft, auf einem Markt oder über einen Hofladen. Letztere sind leider die Ausnahme.

Die solidarische Landwirtschaft krempelt das System ein wenig um. Eine Anzahl Konsumenten (Leute wie wir) schließen dabei einen Pakt mit dem Landwirt: Sie zahlen ihm, ähnlich wie in einem Verein, jeder einen Mitgliedsbeitrag. Aus diesem Beitrag bezahlt der Bauer alles, was er zum Produzieren von Nahrung für diese Menschen braucht, also über Saat und Dünger und Hühner zu Maschinen und Angestellte auf dem Hof. Und er zahlt sich selbst einen fairen Lohn aus, von dem er gut leben kann.

Es wird vor jeder Ernte geplant, welches  Mitglied wieviel Essen benötigt, das kann in der GemeinschaKattendorfer Hof-CSA Community supported agricultureft ausgehandelt werden. Die einen essen weniger oder kein Getreide, dafür mehr Kohlgemüse und Eier, alles kein Problem, dann ist eben Verhandlungsspielraum, oder diese Person zahlt einen etwas höheren Mitgliedsbeitrag.

Damit die Arbeit und Ernte auf dem Hof günstig gehalten werden kann, verpflichtet sich außerdem jeder Teilnehmer, auf dem Hof mit anzupacken. Üblich sind 2-3 Tage, was kein Problem darstellen sollte.

Jede Gemeinschaft um einen Landwirt hat eine Art Speicher, wo sich jedes Mitglied dann jede Woche seine Box mit Essen abholen kann – genug für diese Woche. Nicht mehr und nicht weniger.

Boxen abholen bei SoLaWi

 

 

 

 

 

 

Soweit die Erklärung zu solidarischer Landwirtschaft. Klingt gut, oder? Ein faires Bündnis zwischen Landwirt und den Menschen, die von ihm leben. Was gibt es für hervorzuhebende Vorteile?

Landwirt

– Erhöhte Transparenz für den Konsumenten: Er kennt den Landwirt, Hof und Hufe, er weiß, wo sein Essen herkommt. Nicht tiefgefroren aus China, sondern vom Landwirt im nächsten Dorf. In unserer Industriegesellschaft leider ein seltenes Gut.

Motivation für den Landwirt: Umgekehrt das gleiche: Der Landwirt kennt die Menschen, für die er das Essen produziert. Er gibt sich Mühe, für diese Menschen sehr Gutes zu leisten.

– Eine faire Bezahlung für den Landwirt: Viele Bauern stehen unter Dauerdruck, weil sie mit dem Großhändler XY einen Vertrag am Laufen haben, der sie verpflichtet, Soundsoviel Tonnen Weizen pro Jahr zu produzieren. Oder sie müssen eine gewisse Menge produzieren, um sich über Wasser halten zu können.

– Nach Absprache ist es möglich, nach Bio-Richtlinien zu prodzieren, nachhaltig und qualitativ hochwertig. Entsprechend kann die Nahrung dann auch gesünder sein als die Vergleiche im nächsten Aldimassentierhaltung

Weniger Massenproduktion: Bauern erhalten gemäß EU-Richtlinien nicht nach Umsatz, sondern nach produzierter Masse Sonderprämien, um ihren Lohn bedeutend aufzubessern. Es wird also oft nach Masse produziert, nicht nach Qualität. Hier wäre Qualität das vorrangige Ziel. Genauso wie …

Niedrige Kosten: Teilweise sind die „Mitgliedsbeiträge“ niedriger als gedacht. Sie bewegen sich im Raum 15-40€ pro Woche und Person. Das ist bedeutend weniger als die 50€, die ich aktuell pro Woche für Essen ausgebe. Die niedrigen Mitgliedsbeiträge rühren unter anderem daher, dass die Zwischenhändler wegfallen und direkt vom Produzenten an den Konsumenten verkauft wird. Natürlich kann man auch in der Gemeinschaft so variieren, dass Besserverdiener etwas mehr bezahlen, Schlechtverdiener (und Studenten *husthust*) etwas weniger

Regionalität: Man unterstützt aktiv Arbeitsplätze und ein Stück Kultur in der Region. Außerdem: Geringe Transportwege und folglich ein kleinerer ökologischer Fußabdruck

Saisonalität: Man bekommt die Produkte, wenn sie fertig sind und bekommt wieder ein Gefühl für die vier Jahreszeiten. Also gibt es im Sommer Erdbeeren (nicht schon ab Februar), die Äpfel schmecken nicht nach Wachs und kommen im Oktober, das Rind, wenn es schlachtreif ist.

Marktunabhängigkeit: Sind die globalen Preise für Produkt X höher, kosten sie im Supermarkt mehr, nach einer Kartoffelkäferplage in Irland und Russland steigen die Kartoffeln, solche Szenarien kennen wir alle. Diese Marktschwankungen interessieren die Gemeinschaft nicht.

 

Allerdings gibt es leider auch Nachteile dieses Systems. Nachteile, die es mir bis dato nicht ermöglicht haben, Teil der Solidarischen Landwirtschaft zu werden:

Schattendasein: solidarische Landwirtschaft ist noch sehr wenig verbreitet. Es ist groß im Kommen, ja, aber noch gibt es nicht viele Anbieter für so etwas (67 Gemeinschaften deutschlandweit). Das Netz ist noch nicht groß genug. Selbst ich in einer 150.000 Stadt wie Ulm kann dies gerade nicht umsetzen. Genauso wie  …

Nachteile für Städter: Wir haben oft den Vorteil wunderbarer Wochenmärkte (der in Ulm ist erstklassig!), allerdings ist es dann aber auch ein gutes Stück Weg zum nächsten Landwirt, der bei der solidarischen Landwirtschaft mitwirkt. Außerdem habe ich kein Auto – wie also soll ich jede Woche meine Essensration abholen und in meine Wohnung tragefrische eier von glücklichen kühenn? — Praktische Umsetzung: der Essensspeicher muss erreichbar sein!

Schwarze Schafe: Es kann natürlich auch passieren, dass man Pech hat und der Landwirt, an den man gebunden ist, „Mist“ produziert, den man nicht essen kann. Niemand sagt mir vorher, wie gut dieser Landwirt ist. Ob er erfahren ist. Ob er sich allumfassend um meine Ernährung kümmern kann (falls er sich nur mit Weizenanbau auskennt, kann er dann auch Käse und Bio-Eier produzieren?

Produktpalette. Getreide ist vergleichsweise billig zu produzieren, also könnte, um die Mitgliedsbeiträge oder die Produktionskosten gering zu halten, viel auf Getreide gesetzt werden. Das ist nicht für Jeden vorteilhaft (Blick in die Paleo-Runde). Man müsste Essen zukaufen.

Abhängigkeiten: Nach einem schlechten Sommer gibt es plötzlich kaum Obst an den Bäumen, nach Winterfrost stirbt all das Kohlgemüse ab (Wetterabhängigkeit). Eine Krankheit rafft plötzlich alle Kühe und Ziegen dahin. Plötzlich gibt es keine frische Milchprodukte mehr, kein Rindfleisch mehr (Hofabhängigkeit). Was dann? National gesehen importiert ein Land/Region dann mehr von woanders, um seine Leute zu ernähren. Falls uns so etwas hier passiert, müssen wir zusätzlich zu unseren Beiträgen Essen zukaufen. Der finanzielle Vorteil wäre dahin.

 

Fazit: mMn überwiegen die Vorteile hier klar, allerdings sind die Nachteile des Systems nicht zu vernachlässigen und aus praktischen Gründen ist es nicht für jedermann im Moment geeignet (mich eingeschlossen). Aber das ist ja nicht verallgemeinerbar. 

Morgen werde ich ein wenig diskutieren, ob sich SoLaWi mit der Paleo-Ernährung in Einklang bringen lässt und ob das System in Deutschland Zukunftspotential birgt.

 

Fallen euch noch Vorteile und Nachteile ein? Habt ihr schon Erfahrung mit SoLaWi gesammelt? Wie denkt ihr darüber?

 

 

Falls ihr euch noch weiter informieren möchtet, kann ich euch diese Seite hier empfehlen:http://www.solidarische-landwirtschaft.org/de/mitmachen/erste-schritte-zur-gruendung/

Kiste mit Obst und GemüseZiege

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Ein Gedanke zu “Solidarische Landwirtschaft – ein Zukunftsmodell?

  1. Pingback: Verträgt sich Solidarische Landwirtschaft mit Paleo? | Kitchen on fire

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