Verträgt sich Solidarische Landwirtschaft mit Paleo?

Hallo 🙂

gestern habe ich euch hier erklärt, was Solidarische Landwirtschaft (=SoLaWi) ist und welche Vor- und Nachteile es beinhaltet. Heute werde ich mich etwas kürzer fassen.

Ich werde ein wenig überlegen, ob sich SoLaWi (=Solidarische Landwirtschaft) mit der Paleo-Ernährung verträgt, und ob es Zukunftspotential trägt.

Verträgt sich SoLaWi mit der Paleo-Ernährung?

Paleo bedeutet für mich nicht nur, zu wissen, was und warum ich es esse, sondern auch, wo mein Essen herkommt. Ich achte auf Saisonalität und Regionalität, ich möchte meine Himbeeren nicht tiefgefroren aus China einfliegen lassen (dazu noch verkeimte Himbeeren), sondern hole sie lieber aus dem eigenen Garten oder von der nächsten Plantage. SoLaWi bedeutet, dass mein Essen nicht hunderte bis tausende Kilometer zurücklegt, bis es auf meinem Teller landet, es bedeutet damit auch nicht, dass es unreif geerntet wird, um „reif“ bei mir anzukommen. Es wird geerntet, wenn es reif ist, und landet sofort auf meinem Teller. Ich kann nachvollziehen, wo es herkommt (Transparenz), und von wem. Ich kenne den Landwirt, der es produziert hat, und die Leute, die bei der Ernte mitgeholfen haben. Keine Massenproduktion, keine Heerscharen von osteuropäischen Arbeitskräften, die meine Zucchini geerntet haben.

kuh

Das sind alles Eigenschaften, die Paleo und SoLaWi verbindet. Beides könnte sich also theoretisch gut vertragen. Die Einstellung passt schon einmal. Was gibt es noch?

– es gibt aktuell 66 SoLaWi-Gemeinden, 67 weitere sind in den Startlöchern. Das ist nicht viel. Diese wenigen Gemeinden verlassen sich in ihrer Planung auf die Erfahrungen der Vorjahre und anderer Gemeinden. Die meisten sind daher eher vorsichtig und konzentrieren sich auf Basics, zu denen leider auch viele Milchprodukte und Getreide gehört. Außerdem sind Getreide und Milchprodukte weniger Saison- und Witterungsabhängig als frisches Obst und Gemüse. Es könnte also gut sein, dass sich der Landwirt weniger auf Paleo-relevante Lebensmittel konzentriert, um sich abzusichern. Das wäre wiederum nicht so gut.

Allerdings: Es ist nicht fix gemacht, wer wieviel wann kriegt. Man kann variieren. Der Preis, die Menge und die Produkte selber können variieren. Esse ich kein Getreide und Milch, dann sage ich das, und nehme mir mehr Fleisch, Obst, Gemüse. Der Beitrag wird etwas steigen, aber es ist machbar, solange die „Veranstalter“ tolerant und flexibel dementsprechend sind. Oder man packt entsprechend mehr an auf dem Hof.

Zwischenfazit: Die Einstellung der SoLaWi entspricht genau denen einer nachhaltigen, saisonalen, fairen und  transparenten Ernährung, genau so, wie es die Paleo-Ernährung auch anstrebt. Die Lebensmittelwünsche der Mitglieder sind variabel und anpassbar, es ist also auch möglich, sich rein paleo mit SoLaWi zu ernähren.

 

Birgt SoLaWi Zukunftspotential?

Sieht man mal ab von der bisher noch recht kleinen Gemeinde in Deutschland, so kann die SoLaWi noch groß raus kommen. Ich denke, mit ein wenig Mundpropaganda könnten wir in ein paar Jahren nicht mehr nur 66, sondern mehrere Hunderte, wenn nicht Tausende Gemeinschaften in Deutschland haben. Theoretisch könnte ein großer  Teil der Bevölkerung über SoLaWi seine Nahrungsmittel beziehen.theorie realität

In der Realität wird das leider anders aussehen. Ein Großteil vielleicht nicht, aber ein kleiner Teil. Denn leider interessieren sich die meisten Menschen nicht so arg für Ernährung und nachhaltige, faire und transparente Landwirtschaft. Außerdem steht die Mundpropaganda den Milliarden von Werbeausgaben der Großkonzerne gegenüber, die um ihre Kunden kämpfen werden: Aldi, Nestle, Unilever, … Für die meisten Menschen ist es praktisch, im nächsten Supermarkt das Essen eben zu holen. Wo das Essen herkommt, ist dabei egal.

Außerdem nimmt der Verstädterungsgrad in Deutschland weiter zu. In Deutschland liegt sie aktuell bei 70-80%. Für Städter ist SoLaWi nicht so einfach umzusetzen, da es Aufwand bedeutet, jede Woche zum Essensspeicher zu gehen und sich seine Wochenkiste mit Essen abzuholen. Es ist einfacher, einen der vielen Supermärkte in den Städten aufzusuchen. Wer auf dem Land wohnt, ist dem nächsten geeigneten Landwirt meist näher und muss nicht erst mit dem Auto aus der Stadt „herausgurken“, er hat also auch kürzere Wege.

Fazit: SoLaWi birgt das Potential, in den nächsten Jahren von einer Randerscheinung zu einem Massenphänomen zu werden. Allerdings muss dafür noch viel Mundpropaganda betrieben werden, da nur sehr wenige Menschen wissen, dass es so ein System überhaupt gibt. Gleichzeitig die Konkurrenz zu Großkonzernen, die um ihre Kunden kämpfen werden. Praktisch ist auch nicht für jeden Menschen, vor allem Städter, umsetzbar, da es Aufwand bedeutet, sich jede Woche sein Essen zu holen. Es liegt also ein steiniger Weg vor der SoLaWi, aber es muss ja kein Massenphänomen werden, aber um den Leuten die Chance zu geben, sich dafür oder dagegen zu entscheiden, muss es erst einmal populärer werden.

 

 

Persönlich finde ich das SoLaWi-System super, würde es in unmittelbarer Nähe eine Gemeinschaft geben, würde ich wirklich überlegen, ob ich nicht mitmachen möchte. Selbst beim Schreiben dieses Artikels überkommt mich immer mehr Lust, da raus zu gehen und mit anzupacken. Allerdings ist es aus räumlichen und praktischen Gründen für mich als „autolosen“ Städter leider nicht machbar. Aber vielleicht für euch 🙂

 

Falls ihr euch noch weiter informieren möchtet, kann ich euch diese Seite hier empfehlen:http://www.solidarische-landwirtschaft.org/de/mitmachen/erste-schritte-zur-gruendung/

Kiste mit Obst und GemüseZiege

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