Wie und warum sollte ich Gluten meiden?

Im letzten Artikel habe ich euch erklärt, was Gluten ist und was es in unserem Körper für Schäden anrichten kann [Klick]. Heute werde ich zuerst begründen, warum es ratsam ist, Gluten und Gluten-haltige Lebensmittel zu meiden, und wie man das trotz seiner Gewohnheiten gut umsetzen kann.

Warum meiden? Aus historischer und evolutionsbiologischer Sicht

Getreide ist die Hauptnahrungsquelle menschlicher Zivilisation. Es hat den Menschen von der Höhle in den Weltraum gebracht, wir sind die herrschende Spezies auf dem Planeten, haben uns zu vollends intelligenten Wesen entwickelt und eine hohe Lebensqualität mit all seinen Vorteilen (Toaster, Kaugummis, Badewannen, Autos, …) erreicht. All das dank des Getreides. Das hatte allerdings seinen Preis. Der Mensch ist durch den Getreideverzehr kränker geworden, bis vor 120 Jahren lag die allgemeine Lebenserwartung nur bei 30 Jahren, auf dem selben Stand wie am Ende der Steinzeit, und das trotz erster Medizin, Krankenhäusern und einem festen Dach  über dem Kopf. Denn:

Der Evolution ist es egal, wie man überlebt, solange man mehr Nachkommen zeugt und diese eher überleben als konkurrierende Spezies. Durch den Ackerbau und die Lagerfähigkeit von Getreide war der Mensch weniger auf die 4 Jahreszeiten angewiesen, Hungersnöte wurden seltener, es konnten mehr Nachkommen gezeugt und ernährt werden. Die Evolution hatet gewonnen. Aber zu welchem Preis: Der Mensch ist nicht an den Getreideverzehr angepasst, er züchtet es zu immer ertragsfähigeren Varianten und ignoriert dabei auch die Schadstoffe, die damit im Getreidekorn zunehmen: Gluten, Phytinsäure, Lektine,Trypsin-Hemmer, … Getreideverzehr ist einer der, wenn nicht der größte Grund (mit Zucker und Alkohol) unserer Zivilisationskrankheiten (Übergewicht, Bluthochdruck, Rheuma, Demenz, Allergien, Diabetes, …). Diese sind zu 80% ernährungsbedingt.

Seit 120 Jahren steigt unsere Lebenserwartung, es ist genug Essen für jeden Menschen da. Hungersnöte sind Vergangenheit. Erstmals in der Geschichte ist der Mensch nicht mehr auf Getreide für sein Überleben angewiesen. Er hat jetzt die Möglichkeit, sein Hauptnahrungsmittel, das ihm eigentlich schadet, zu ersetzen. Aber wie? Und wodurch?

auf Getreidesorten mit geringerem Glutengehalt zurückgreifen: Weizen ist das Getreide mit dem größten Glutenanteil und der aggressivsten Variante davon. Wenn ihr schon Getreide in euren alltäglichen Speiseplan integrieren müsst, dann greift auf „harmlosere“ Getreidesorten wie Dinkel, Hafer und Roggen zurück.sh_132850520_Quinoa_Pseudogetreide_800x462.jpg.3179002

– wenn ihr Gluten ganz meiden, aber aus sportlichen oder arbeitstechnischen Gründen (Leistung durch Kohlenhydrate) oder gesundheitlichen (Gluten meiden) Gründen nicht auf Getreide verzichten wollt, kann ich euch glutenfreie Sorten empfehlen. Allen voran wären da die Pseudogetreide zu nennen: Buchweizen, Quinoa und Amaranth. Diese bringen Abwechslung in eure Küche und sind zudem viel gesünder als herkömmliche Getreide: Sie sind reicher an Protein (nicht schädlich wie Gluten), an Ballaststoffen, Vitaminen und Nährstoffen bei gleichzeitig geringerem Kohlenhydratanteil.

– Sagen euch diese nicht so sehr zu, könnt ihr auch auf stärkehaltiges Gemüse, Knollenfrüchte und Obst zurückgreifen, wie z.B. Bananen, (Süß)Kartoffeln und Kürbisse.knollengemüse

Hülsenfrüchte wären auch eine glutenfreie Alternative, außerdem sind sie reich an (mehr oder weniger guten) Proteinen und Ballaststoffen. Allerdings bedürfen sie beim Kochen einer besonderer Behandlung und enthalten eine Reihe Antinährstoffe, die euch schaden können (v.a. Lektine und Phytinsäure). Wenn möglich, würde ich Hülsenfrüchte meiden oder nur ab und an essen und auch nur dann, wenn sie wirklich gut zubereitet sind

Low Carb Pancakes_crop

– Getreideerzeugnisse ersetzen: Habt ihr schon einmal LowCarb-Brot aus Mandelmehl, Quark und Eiern probiert? Habt ihr schon einmal Pfannkuchenteig aus Eiern und Bananen gemacht? Nein? Dann ran 🙂 viele alltägliche Getreide-haltige Nahrungsmittel lassen sich gut durch getreidefreie Alternativen ersetzen. Diese schmecken oft genauso gut wie das Original und sind um einiges gesünder.

Fertignahrung restlos streichen: Häufigen Lesern des Blogs sollte das geläufig sein, ich erwähne es trotzdem nochmal: Eine Ernährung kann nur gesund sein, wenn sie natürliche und unverarbeitete Lebensmittel den verarbeiteten vorzieht (Ein Apfel ist gesünder als eine Apfeltasche). Fertignahrung ist also entweder selbst herzustellen oder restlos zu streichen! Damit entgeht ihr auch dem Weizeneiweiß, welches in so Vielem zugesetzt wird.

Dazu im nächsten Artikel mehr.

Ein abschliessendes Wort noch: ich habe euch aufgezeigt, wie und warum ihr Gluten meiden solltet, was aber nicht bedeutet, dass ihr um jeden Preis nichts mehr davon essen sollt. Ich meine damit, dass ihr euren Alltag wenn nötig ein wenig umgestaltet und den Konsum so weit wie möglich reduziert. Wenn man weiß, was es anrichten kann, isst man automatisch bewusster. Aber das Stück Kuchen am Sonntag sei euch vergönnt – solange es nicht 5 werden 🙂 ich genieße auch 1-2mal im Monat ein schönes Stück Torte, man muss es aber auch zu schätzen wissen dann.

Bis dahin eine schöne Woche 🙂

PS: Fallen euch noch mehr Wege ein, Gluten zu meiden? Schreibt es mir in die Kommentare! Und falls ihr immer auf dem neuesten Stand bleiben wollt und sofort von neuen Beiträgen erfahren wollt, abonniert den Blog 🙂

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7 Gedanken zu “Wie und warum sollte ich Gluten meiden?

  1. Eine Idee von mir:
    Ich habe erst vor kurzem durch das Stöbern auf einigen amerikanischen Paleo-Blogs erfahren, dass auch in vielen Pflege- und Kosmetikartikeln Gluten verarbeitet wird, weil es ein billiger Füllstoff ist, und bei empfindlichen Personen zu Hautreizungen usw. führen kann.
    Also sollten empfindliche Menschen nicht nur ihre Essgewohnheiten prüfen, sondern auch, was sie zur Körperpflege benutzen.

    Mich selbst hat schon vor Jahren das Aluminium in Deos aufgeschreckt und ich benutzte seit langem keine „normalen“ Pflegeprodukte mehr. Olivenseife (sog. Alepposeife) für Haut- und Haarreinigung, Kaisernatron zum Zähneputzen (gewöhnungsbedürftig, hat aber inzwischen die Überempfindlichkeit meiner Zähne beseitigt) und Kokosöl zur Haut- und Haarpflege (Tipp einer indischen Bekannten).
    Dadurch habe ich u.a. alle Symptome meiner Schuppenflechte beseitigen können, die durch Ernährungsumstellung auf Paleo zwar besser wurde, aber nicht ganz verschwand.

    • Moin Petra 🙂 danke für deinen Kommentar. Dass Gluten in Kosmetika enthalten ist, ist mir neu, verwundert mich aber nicht. Chemisch modifiziertes Gluten lässt sich fast überall einsetzen, und das wird es auch.
      Kosmetika nehmen auch unseren Alltag mit ein, meist sind sie schlau verpackte und vermarktete Billigprodukte, die unserem Körper langfristig schaden. Seit einem Jahr achte ich auch verstärkt darauf.
      Hättest du Lust, über deine Erfahrungen mit alternativen, natürlichen Kosmetika mit dem Paleo-Lebensstil einen Erfahrungsbericht zu schreiben? Würde mich freuen 🙂
      Gruß Martin

  2. Pingback: Warum Glutenintoleranz ein Problem der Neuzeit ist | Kitchen On Fire
  3. Pingback: Ein vielfältiges Hirse-Menü | Kitchen On Fire
  4. Pingback: Was ist Histamin und warum kann es zum Problem werden? | Kitchen On Fire

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