Blutwerte nach 2,5 Jahren Paleo – Harnsäure & Co.

weiter geht’s mit der Analyse meiner Laborwerte.
Nach 2,5 Jahren Paleo sollte in meinen Blutwerten zu sehen sein, ob und was ich falsch mache in der Ernährung, welche Thesen stimmen, welche nicht.
Meine Ernährung war relativ stabil in diesen 2,5 Jahren, vor 6 Monaten habe ich dann aber nochmal den Eiweißkonsum massiv aufgestockt: Ich esse seitdem fest mindestens 150g Eiweiß pro Tag (an manchen Tagen über 200-250g). Vegetarier, Skeptiker und Unwissende monieren dann angesichts der Fleischmengen, die ich manchmal esse, dass meine Niere das nicht mehr lange mitmacht und ich Gicht bekommen werde.

Deswegen heute nach den Blutfetten der für mich zweitwichtigste Unterpunkt der Blutwerte: Nierenwerte!

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Kreatinin: 1,06 mg/dl (Norm: 0,55-1,1 mg/dl)

Kreatinin wird im Körper aus der Säure Kreatin gebildet. Kreatin kann der Körper selber herstellen oder aus der Nahrung (v.a. durch Fleisch) aufnehmen. Als Energieüberträger wirkt Kreatin in unserer Muskulatur an der Muskelkontraktion (ATP ist im ganzen Körper Haupt-Energievermittler, außer in der Muskulatur). [1] Ein hoher Kreatinin-Wert kann also mehrere Sachen bedeuten:

– hohe Aufnahme über die Nahrung (viel Fleisch)

– junges Alter und damit …

– große Muskelmasse und damit verbundene Stoffwechselaktivität und Abbau von Endprodukten (wie Kreatinin)

– hohe Nierenaktivität bei verminderter Funktion (schlecht)

-zu hohe Kreatinin-Werte können außerdem auf Stoffwechselerkrankungen, Herzschwächen und Nierenschaden hinweisen, [2]

dies ist bei mir aber nicht der Fall. Mein Wert ist hoch, aber nicht zu hoch. Daraus kann man meine sportliche Aktivität und meinen hohen Fleischkonsum ablesen.

Da mit dem Blut auch eine Urin-Probe entnommen wurde, sollte eigentlich auch ein Wert für die Kreatinin-Clearance vorliegen. Aus diesem Wert kann man die sogenannte Glumeruläre Filtrationsrate (GFR) bestimmen, ein Wert, mit dem man bestimmen kann, wie gesund und intakt die Niere (als körpereigener Blutfilter) ist. Mir liegt so ein Wert nicht vor. Warum, ist mir ein Rätsel. (Aber man kann ja nicht immer alle Werte bekommen, die man gerne hätte. GFR wird wohl nur gemessen, wenn ein Verdacht einer Erkrankung vorliegt.)

Ohne GFR ist es mir nicht möglich, meine Nierengesundheit objektiv zu bewerten. Gesunde Kreatinin- und Harnsäurewerte schließen eine Nierenerkrankung nicht aus!

[Bei einer Erkrankung würde ich Symptome wie Anämie (Blutarmut), Bluthochdruck oder Übelkeit zeigen]

Also weiter mit dem nächsten Wert:

Harnsäure: 4,9 mg/dl (Norm: 3,5-7,2 mg/dl)

Harnsäure ist ein Abbauprodukt des Purinstoffwechsels im Menschen. Purine sind Bestandteil unserer Erbsubstanz, der DNA, übernehmen im Stoffwechsel aber auch ander wichtige Funktionen, z.B. als Neurotransmitter im Gehirn (Coffein ist auch ein Purin) oder als Energieüberträger wie ATP.

Ist die Harnsäure-Konzentration im Blut zu hoch und kann die Niere es nicht mehr schnell genug ausscheiden, bilden sich Harnsäure-Kristalle, die sich in den Gelenken als Gicht-Knötchen ablagern. Ist der Harnsäure-Wert zu niedrig, kann dies auch ein Hinweis auf Gicht sein, da Harnsäure aus dem Blut in die Gelenke „abgezogen“ wird. [3]

Tierische Produkte, allen vorran Fleisch und Innereien, enthalten hohe Mengen an Purinen. Daher auch der Kritikpunkt, dass Fleischkonsum zu Gicht führt. Aber Gicht ist eine StoffwechselKRANKHEIT, eine Entgleisung oder Störung des Stoffwechsels hat andere Ursachen als hohen Fleischkonsum. Ursache und Wirkung sind hier zwei verschiedene Dinge. Zuviel Fleisch kann bei einer schon bestehenden Stoffwechselerkrankung Gicht begüstigen oder verstärken, aber nicht auslösen!!

[Klimaerwärmung kommt durch zuviele Treibhausgase. Sollten wir Methan-furzende Kühe deswegen ausrotten?]

Interessanterweise haben Kraft- und Ausdauersportler (aufgrund höherer Stoffwechsel-Aktivität?) niedrigere Harnsäure-Werte als Nichtsportler [5]

Hoher Fructose- und Alkohol-Konsum (besonders Bier) stehen außerdem in Verdacht, die Harnsäure-Werte zu erhöhen [6].

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Soviel die Erklärung, zu meinen Werten: Erstaunlich normal, was auch mich ehrlich gesagt wundert. Ich esse einmal pro Woche Innereien in Form von Herz oder Leber, ansonsten beträgt mein Fleischkonsum pro Woche ca. 4kg. Ich müsste demnach hohe Harnsäure-Werte haben.

Faktoren, die für einen niedrigen Harnsäure-Wert sprechen, sind meine sportliche Aktivität, geringer Alkoholkonsum sowie geringer Fructose-Konsum.

Da mein Stoffwechsel aber anscheinend wunderbar funktioniert, ist auch dieser Kritikpunkt, dass hoher Eiweißkonsum direkt Gicht auslöst, widerlegt.

Harnstoff: 36,4 mg/dl (Norm: 19-44 mg/dl)

Harnstoff ist ein zentrales Abbauprodukt von Proteinen. Gebildet wird er in der Leber aus Ammoniak und Kohlendioxid. Auf diesem Wege entledigt sich der Körper quasi des giftigen Ammoniaks, das beim Abbau von Eiweißen anfällt. So wird es wasserlöslich gemacht und mit dem Urin aus dem Körper befördert. Dabei färbt es auch unseren Urin schön gelb. [7]

In welchen Fällen ist der Harnstoff-Wert zu hoch?

Zu hohe Harnstoff-Werte können auftreten bei:

  • Kataboler (= auszehrender) Stoffwechsellage wie z.B. einer Fastenkur oder anderer strengen Diät
  • hoher Eiweißzufuhr mit der Nahrung
  • Austrocknung (Dehydratation) des Körpers
  • ausgeprägter Nierenschwäche

Harnstoff kann auch als Marker für die Nierengesundheit genommen werden, allerdings eignet sich Kreatinin dazu besser. [7]

Mein Wert ist im oberen Normbereich, was durch meinen hohen Eiweißkonsum zu erklären ist. Da ich weder länger gefastet habe, noch zu wenig getrunken oder einen bekannten Nierenschaden habe, kann man hier ableiten, dass alles in bester Ordnung ist.

Ergänzend:

Mein Blutdruck beträgt 110/80, was normal ist. Gleichzeitig habe ich einen Ruhepuls von 73 Schlägen pro Minute. Das verringert noch einmal das Risiko einer Nierenerkrankung.

Was mir fehlt:

Die oben genannten Werte liefern erste gute Hinweise auf gute Stoffwechselaktivität und eine saubere Nierenleistung. Meine Nierengesundheit kann also ohne Weiteres als „gut“ bezeichnet werden. Um sie aber abschließend und am besten als „sehr gut“ bezeichnen zu können (und damit auch Erkrankungen auszuschließen), bedarf es noch zwei weiterer Werte, die mir nicht vorliegen:

Kreatinin-Clearance und die GFR: wie oben erwähnt, beschreibt sie die Filterrate der Niere. Je höher, desto besser

Cystatin C: Auch ein Marker, der von der GFR abhängig ist. Je höher der Wert, desto geringer die GFR

sollte ich deswegen beunruhigt sein? Nein. Denn ich fühle mich rundum wohl und bin nie krank oder habe Schmerzen. Außerdem hat die Niere noch eine weitere Aufgabe: Regulation des Elektrolythaushalts im Körper (Also Ionen und Salze wie Magnesium, Calcium, Kalium, …). Dazu im nächsten Artikel mehr 🙂

 Anhang:

[2] Dr. med. Anke Joas:

Blutwerte: Alles, was Sie wissen müssen – Alle wichtigen Werte im Überblick …

Südwest Verlag; Auflage: 1., Aufl. (27. Februar 2008)

[3]  Wolfgang Braun:

Laborwerte im Klartext: Untersuchungsmethoden und Befund verständlich gemacht

 Verlag: Humboldt; Auflage: vergriffen, keine Neuauflage (24. Januar 2005)

[4] Jan Koolman:

Taschenatlas der Biochemie

Verlag: Thieme; Auflage: 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage (26. August 2009)

[5] Barbara Buhl, Harald Menzel:

Sport, Lebensalter und Gesundheit: soziologische, leistungsbiographische …

Verlag: KIT Scientific Publishing (11. Juli 2006)

[7] Christiane Krohn:

Die Sprache der Niere (Harnwege): Symptomerklärungen

Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (21. September 2013)

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Ein Gedanke zu “Blutwerte nach 2,5 Jahren Paleo – Harnsäure & Co.

  1. Pingback: Fazit nach 3 Jahren – was bedeutet Paleo für mich? | Kitchen On Fire

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