Das Stress-Monster: Teil IV (Erweitert)

Teil 4: Praktische Anwendungsmöglichkeiten

(Erweitert)

Denn durch Überlegung gewinnst du den Kampf, viele Ratgeber verhelfen zum Sieg (Die Bibel: Sprüche 24, 6).

Flughafenchaos

Die Busfahrt war (wie immer) wenig nervenaufreibend, 3 Studenten in einer Blechdose zusammengequetscht, und vor dir sitzt immer einer der seit drei Tagen sein T-Shirt nicht gewechselt hat. Egal, raus aus dem Bus, rein in den Flughafen.

Wow.

Menschen jagen von rechts nach links, freilaufende Hunde und Katzen und Kinder; und Polizei und Mammis die hinterher jagen, dass es einem schwindelig wird. Alle Jahre wieder, aber in daheim ist es nun mal am Schönsten (Familie, v.a. wenn die Schwester so überragend kocht), daher nehme ich das bisschen Chaos gerne in Kauf.

Ich checke mein Flugticket, noch 40 Minuten bis Abflug! Meine Atmung verschnellert sich, mein Blickfeld wird enger und schon bin ich bei der Sicherheitskontrolle. Gürtel, Handy, Geldbeutel. Ein geübter Handgriff und meine Taschen sind leer.

Any liquids? Laptop, iPad, or kindle in your bag, darling?“ Nur das Gesicht der Sicherheitsdame verrät ihre Angespanntheit. War wohl ein langer Tag. Aber die Engländer sind schon irgendwie süß. Ich wippe auf und ab als ich warte, dass ich endlich durch den Scan darf. Der vor mir lässt sich aber auch heute Zeit! Geht das nicht schneller?

Schneller… nicht schneller? Schneller… hallt es in meinem Kopf wider und mit einem Schlag wird mir mein enormer Stresspegel bewusst. Ich checke meinen Hals: schmerzt, leicht heißer. Meine Handflächen: schwitzig. Gedanken: rasend, ungeduldig.

Diagnose: Stress.

Zeit zum Angriff! 

Ein Interventionsgedanke

In der klinischen Fachsprache spricht man von einer Intervention, also einer Eingriffsmethode. Wie schon anfangs beschrieben, sind viele Angstreaktionen gelernt – und so ähnlich kann das mit Stress sein; daher hier eine kleine CBT für euch, die ich als ein Projekt im 5. Semester geschrieben habe, ganz einfach in 2 Schritten (NB: „Ganz einfach“ ist einfacher gesagt als getan, v.a. in der klinischen Welt – aber mit ein bisschen Übung durchaus möglich).

Schritt 1: Erkenne deine Anzeichen

  1. Was ist dein Problembereich? Wie reagierst du?

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung“ weiß das Sprichwort und hat Recht. Zu erkennen, dass man unter Stress steht ist Gold wert und auf diesem Schritt basieren alle anderen. Denn normalerweise denkt man (wenn unter Druck) an alles andere nur nicht an das Offensichtliche. Vielleicht fällt es dir sofort ein, oder du achtest einmal das nächste Mal darauf: Wie reagiert dein Körper auf Stress? Jeder reagiert anders, wie aber reagierst du? Versuche genauer zu werden als bloßes Herzrasen und erschwerte Atmung. Wo hast du Schweißausbrüche (Handfläche, Stirn, Arme?)? Wo sitzt der Schmerz? Was tust du, wenn du nervös bist?

  1. Gedankenchaos

Erst, wenn man selbst erkennt, dass man sich in einer Stresssituation befindet, kann man anfangen, Stress zu bekämpfen. Natürlich hat Stress auch eine (primäre) Auswirkung auf deine Gedanken; sie rasen, überschlagen sich mehrfach und sind meistens negativ. Das kann hilfreich sein (wenn du vor einem Tiger weglaufen willst) aber wenn du in der Prüfung sitzt und nicht weg kannst, eher nicht. Daher wisse: Es ist normal! Das ist das Adrenalin!

  1. Was eher nicht hilft

Schon lange weiß man um „Ablenkungsstrategien“ doch erst kürzlich argumentierte Brooks (2014), dass es wesentlich effektiver (und auch angenehmer) ist, seine „Stressenergie“ umzulenken als zu stauen oder zu stoppen.

Ich meine hierbei, dass oft geraten wird, man solle sich beruhigen: „MANN! SO BERUHIGEN SIE SICH DOCH GEFÄLLIGST!!!“ Höre ich den Oberarzt im Hinterkopf brüllen– was den Druck eigentlich nur noch erhöht. Ebenso irrsinnig ist (manchmal) Ablenkung: „Denken Sie doch einfach eine Einhörner und Schmetterlinge, dann geht das von ganz alleine weg,“ flüstert mir die Oberschwester mit sanfter Stimme ins Ohr.

Sich beruhigen und ablenken… mit einem Puls von 180? Ja aber na klar doch…

Nein, nein. Es mag zwar manchmal gelingen (für manche Menschen in manchen Situationen) aber wenn du wirklich unter Strom stehst, hilft das nicht.

Stattdessen: Denkweise ändern.

Schritt 2: Interpretation ändern

Ich weiß anhand von meinem Hals, dass ich unter Strom stehe: Ich bekomme einen tierisch trockenen Mund und sofortige Halsschmerzen. Und dann weiß ich immer (es sei denn ich bin krank): Jetzt bin ich in einer stressvollen Situation und ich weiß: mein Körper verwendet alle Energie, die er kriegen kann darauf, damit fertig zu werden!

Stichwort Examen.

Hilfe! Ich bin gestresst! Stopp, keine Bewegung! Warum bist du gestresst?

Blöde Frage; Wegen dem Examen!!

Genau, wegen dem Examen stehst du unter Strom: Stress durchfließt deine Arme wie heiße Lava und Feuerzungen schießen aus deinem Füller. Geballte Ladungen an Energie werden dir zur Verfügung gestellt um mit dieser Situation klar zu kommen! Nie hast du schneller geschrieben! Nie konntest du dich besser konzentrieren! Nie war dir deine Umgebung so unwichtig, nichts interessiert dich, nur dein Blatt Papier vor dir. Was für ein epischer Tag um eine Prüfung zu schreiben!

Was für ein Geschenk!

Vorausgesetzt natürlich, du hast wirklich was dafür gelernt…

Ich liebe Kelly McGonigals (2011; TedTalk) Worte:

Das ist mein Körper, der mir hilft diese Herausforderung zu überwinden!

Und, ja: es braucht seine Zeit, alte Denkmuster zu überschreiben und letztendlich zu ändern. Es dauert seine Zeit.

Aber mit jeder Herausforderung – mit jeder Stressreaktion – erinnerst du dich: Stress ist mein Freund. Ein Geschenk meines Körpers mit dieser Situation klar zu kommen.

Und langsam verändert sich deine Denkweise, deine Interpretation.

Und mit jeder Herausforderung wächst du.

Stress, ein Monster unter deinem Bett?

Oder ein Freund – der sich als Gegner tarnt.

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