Die HCG-Diät – Teil 3: Die Schatten werden länger

V. Denkanstöße (Risiken und Nebenwirkungen)

HCG Hormone, die man für die Diät braucht, sind überall im Internet zu bekommen. Eine Schnellsuche auf amazon.de preist HCG Tropfen von über 100€ bis knapp 10€ an, von Anbietern aus wirklich aller Welt. Was ist nun wirklich dran & drin?

[Disclaimer: Wir wollen weder irgendwelche hCG-Produkte testen, noch kritisieren, weder von ihrem Gebrauch abraten noch sie unterstützen. Allein wollen wir auf ein paar Sachverhalte aufmerksam machen und Denkanstöße geben – und jede Leserin und Leser darf sich dann seine eigene Meinung bilden.]

Denkanstoß 1: Nebenwirkungen

In medizinischen Studien wurden HCG-Spritzen mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. So berichtet Carmel Celestin (2012) – von der Cleveland Clinic (USA), dass einige ihrer gesunden (normal-gewichtigen) Testpersonen Trombose aufgrund der hCG Spritzen entwickelten und ruft deswegen zur Warnung auf.

Auch Ernährungsexpertin Katherine Zeratsky (2014), von der Mayo Klinik (USA) berichtet, dass die HCG-Diät mit Depression verbunden sein kann sowie (schlimmstenfalls) mit Blutverklumpungen, die die Blutbahnen blockieren können, was zu Herzerkrankungen führen kann.

Auch Ernährungswissenschaftler Dr. Martin Hofmeister von der Verbraucherzentrale Bayern rät zur Vorsicht: „Die Abnehm-methode mit dem Schwangerschaftshormon HCG kann Herzrhythmusstörungen und Nierensteine verursachen sowie zu Störungen des Stoffwechsels führen“.

Denkanstoß 2: Tropfen

HCG-Tropfen sind nicht ausreichend klinisch getestet worden (siehe FDA für mehr Info). Mit „nicht ausreichend“ meinen wir, dass keine Studie existiert, die je in einem wissenschaftlichen Fachmagazin veröffentlicht wurde – und daher nicht von anderen Experten kritisch evaluiert worden ist. Sicherlich: Studien existieren- jedoch wurden sie nur im Internet veröffentlich, eine davon wäre zum Bleistift die von Belluscio, Ripamonte, & Wolansky (1993).

Hierzu sagt Dr. Peter Frühmann folgendes: „Beta-HCG-Tropfen sind wirkungslos, weil diese Hormon entsprechend verdaut wird – im Magen. Das ist ein Protein, das gar nicht den Körper erreicht. Man muss- damit es wirksam im Körper auftreten kann, injizieren.“

Denkanstoß 3: Beweislage

Auf Grund von mangelhafter Beweislage (siehe Teil 2) sind der Vertrieb von homöopathischen hCG-Hormonen (Tropfen, Kügelchen, & Spray) in den USA von der FDA und FTA (US Food & Drug Administration, Federal Trade Administration; gehören beide zur US Regierung) nicht genehmigt und als illegal erklärt worden. Einzig und allein HCG-Spritzen sind zur medizinischen Behandlung (z.B. von Unfruchtbarkeit) freigegeben – jedoch nicht für Gewichtsbehandlungen.

Auch in Deutschland ist es nicht erlaubt, HCG-Präparate als Abnehmhilfe zu verkaufen, laut Bundesinstitut für Arzneimittel (siehe Verbraucherzentrale).

Darum warnen Yen & Ewald (2012) vor frei-verkäuflichen HCG Produkten, da sie nicht freigegeben sind und daher nicht kontrolliert und daher Giftstoffe beinhalten können (die zu den Nebenwirkungen von Denkanstoß 1 führen).

Ähnlich rät auch Carolin Grob (MD, Chefredakteurin von onmeda.de) darauf zu achten, dass Hersteller Inhaltsstoffe detailliert aufzählen (was auch unter Umständen fehlerhaft sein kann) – und sie von seriösen und transparenten Unternehmern zu beziehen (evtl. sich auch fragen, ob denn schon Klagen oder Beschwerden eingegangen sind, und wo die Firma denn genau sitzt).

Denkanstoß 4:

Folgendes Zitat von David Vladeck (director of the FTC’s Bureau of Consumer Protection) im Zusammenhang mit der HCG-Diät:

Deceptive advertising about weight loss products is one of the most prevalent types of fraud. Any advertiser who makes health claims about a product is required by federal law to back them up with competent and reliable scientific evidence, so consumers have the accurate information they need to make good decisions.” (fda.gov)

Irreführende Werbungen über Produkten zur Gewichtsabnahme sind eines der weit verbreitetsten Arten von Betrug. Jeder Werber, der Gesundheitsbehauptungen für ein Produkt aufstellt, muss diese Behauptungen per Gesetz mit kompetenten und zuverlässigen wissenschaftlichen Beweisen bestätigen, so dass Verbraucher korrekte Informationen haben um gute Entscheidungen treffen zu können.“ (Übersetzung der Autoren)

Siehe dazu Teil 2: Wissenschaftliche Beweise im Detail.

Denkanstoß 5:

Unbedingt empfehlenswert ist Dr. Belluscios (tatsächlich ein akademischer Titel) Video der HCG-Diät (Video)!

Denkanstoß 6:

Wenn Studien belegen, dass das tatsächliche HCG-Hormon (zwar einen Effekt hat, jedoch größtenteils) ineffektiv ist, wie – so muss man sich fragen – soll das erst bei homöopathischen Tropfen wirken, die das Hormon nicht einmal beinhalten?

Denkanstoß 7:

Wir wollen keine Schlussfolgerung ziehen sondern nur unsere kritischen Leser zur Prüfung aufrufen und zuletzt die Frage in den Raum werfen, ob es wirklich wert ist seine Hoffnung auf Tropfen (oder welche Form auch immer) zu bauen, die weder von Regierungen zugelassen sind, noch auf schlagkräftigen, wissenschaftlichen Beweisen basieren.

Wer mehr erfahren will, dem wollen wir Ben Goldacres Buch „Die Wissenschaftslüge“ empfehlen.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit 🙂

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