Fazit nach 3 Jahren – was bedeutet Paleo für mich?

Servus miteinander 🙂

vor etwas mehr als 3 Jahren bin ich (damals noch in Australien unterwegs) auf Paleosophie und Urgeschmack gestoßen und, weil es mich auf Anhieb überzeugt hat, und ich merkte, dass ich unbewusst schon immer in diese Richtung gegangen bin (ernährungstechnisch), wollte ich Paleo ausprobieren. 3 Jahre später – ein Fazit:

– ich bin nie krank (nicht mal ansatzweise)

– kein Heuschnupfen mehr (früher Dauerpatient von cetirizin)

– besserer Schlaf (komme auch mit weniger Schlaf aus)

– mehr Leistung (sowohl im Sport als auch in der Uni – als ob mein Körper endlich das tankt, was er schon immer wollte, und so maximale Leistung bringen kann)

– mehr Ausdauer und Durchhaltevermögen (war v.a. im Biochemie-Studium unglaublich wichtig)

– steter Muskelaufbau (soll mal einer behaupten Paleo und Bodybuilding vertragen sich nicht)

– gesunde Haut und knochen

– top Blutwerte (selbst der Arzt war überrascht): Artikel zu Blutfettwerte und Nierenwerte

 

Diese Liste könnte endlos weiter gehen, aber das waren die wichtigsten Fakten. Wie meine Ernährung und Sport aussieht, könnt ihr hier nachlesen.

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Was bedeutet Paleo für mich?

Für mich hat es 2 Seiten: Die (ideo)logische Seite und die wissenschaftliche Seite.

 

Die (ideo)-logische Seite: Es ergibt für mich und viele Andere einfach Sinn, wie pro Paleo argumentiert wird:

– Der Mensch ist eher an das Steinzeitfutter als an moderne Ernährung angepasst (welche zu 72% aus Nahrung besteht, die unser Körper nicht gewöhnt ist oder nur wenig bis keine Nährstoffe enthält, wie Getreide, Zucker, Speiseöle, Milchprodukte [1]

– Genetisch ist unser Stoffwechsel eher an 3 Mio. Jahre prä-neolithische Kost (vor Beginn des Ackerbaus) als an 10.000 Jahre Getreide- und Milchkonsum angepasst (natürlich verändert sich der Körper mit veränderter Nahrung, aber nur langsam)

– Essen, was man jagen und sammeln konnte, anstatt verarbeiteter und nährstoffarmer Industrienahrung

 

Aber leider ziehen solche Argumente meines Erachtens zahlreiche Gegenargumente/Kritikpunkte nach sich wie:

– Der Mensch hat sich in 10.000 Jahren sehr wohl an neuzeitliches Essen angepasst, da wir z.B. Stärke immer besser spalten können (durch aktivere Gene und Enzyme) und auch im Erwachsenenalter noch Laktose vertragen

– Es gab keine Steinzeiternährung in dem Sinne, da es überall auf der Erde ein anderes Nahrungsangebot gab

– Das Essen damals und heute kann man nicht vergleichen (alles in „Bio-Qualität“,Obst und Gemüse wesentlich kleiner, nährstoffärmer und schlechter verdaulich als heute)

– und noch mehr logische Gegenargumente

 

Paleo ist ein Konzept.

Ein Konzept, das stark vereinfacht ist, das man sich einfach merken und umsetzen kann, und das trotz seiner Einfachheit erstaunlich viele wissenschaftliche Fakten vereint. Ich bin immer wieder überrascht, dass die Wissenschaft immer wieder aufs selbe hinausläuft: Ernähre dich so natürlich  und vielseitig wie möglich!! (die gleich genannten Ernährungsempfehlungen). Das Konzept „Essen, was man jagen und sammeln kann, und viel Sport an der frischen Luft  ist primitiv, ja, und bietet Angriffsfläche für viele Gegenargumente, ja, ist aber leicht umzusetzen und sehr, sehr effektiv.

 

Wegen der Gegenargumente aber argumentiere ich pro Paleo nicht gerne von der (ideo)logischen Seite, sondern von der wissenschaftlichen. Wenn man sich in die wissenschaftliche Literatur einliest und die biochemischen Basics zur Ernährung versteht, und kritisch hinterfragt, was er liest und hört, um sich ein eigenes Bild zu verschaffen, wird immer wieder in die selbe Richtung gedrängt.

Diese Richtung gibt einige Anhaltspunkte, wie eine ideale Ernährung aussehen sollte. Diese Anhaltspunkte decken sich übrigens (wenigstens teilweise) mit vielen anderen Ernährungsformen, allerdings ist v.a. die Ideologie bei Paleo eine andere: 

viel Obst und Gemüse: saisonal, regional, vielseitig

Fleisch, Fisch , Eier: möglichst unbelastet, nachhaltig, frisch, unverarbeitet

Nüsse und Samen in kleinen Mengen

keine Speiseöle (Rapsöl, Sojaöl, Sonnenblumenöl), stattdessen stabile Kochfette (Olivenöl, Ghee , Kokosfett)

wenig Getreide und Hülsenfrüchte (dieser Punkt deckt sich vergleichsweise wenig mit anderen Ernährungsformen)

– Bier und Wein selten

– wenig Zucker

– keine verarbeiteten Nahrungsmittel

– Milchprodukte am besten nur fermentiert oder roh und auch nur, wenn man sie gut verträgt. Selbst dann aber nur in kleinen Mengen20150512_200109

– zusammengefasst: Ernähre dich so natürlich  und vielseitig wie möglich, mit unverarbeiteten Nahrungsmitteln. In diesem einen Satz stecken mit die meisten und besten Ernährungstipps überhaupt

(etwas ausführlicher s. die 12 Richtlinien der Paleo-ErnährungTeil 1 und Teil 2)

 

Was bringt einem so eine Ernährung? (Biochemie)

Maximum an lebenswichtigen Nährstoffen wie Vitamine , Mineralstoffe, hochwertiges Eiweiß, essentielle Fettsäuren, sekundäre Pflanzenstoffe, stoffwechselfördernde Stoffe aus Tieren und Ballaststoffe

Minimum an potentiell schädlichen Stoffen aus Pflanzen: z.B. Antinährstoffe wie Phytinsäure, Gluten, Lektine, Proteaseinhibitoren, Zucker, Alkohol, zuviele Omega-6-Fette

– Minimum an potentiell schädlichen Stoffen aus Tieren: Schwermetalle, Abfallprodukte aus dem Stoffwechsel (wenn auf artgerechte Haltung geachtet wird), Krankheitserreger

– Minimum an potentiell schädlichen Stoffen aus der Industrie: z.B. chemische Zusatzstoffe zum Konservieren, Bleichen, Stabilisieren etc., alle Dopingmittel für Tiere wie Hormone, Antibiotika, schlechtes Kraftfutter;

– Zusammenfassend: Maximal lebenswichtige Stoffe, minimal gesundheitsschädigende Stoffe. Und das bedeutet die Paleo-Ernährung für mich: Eine biochemisch optimierte, natürliche Ernährungsform

 

Diese Argumentation entspricht schon eher meinem Bild und bietet weniger Angriffspunkte für Kritiker . Natürlich können Kritiker kommen und argumentieren, dass Gluten ja gar nicht so schlecht ist und Rapsöl ja eigentlich ganz gesund, allerdings kann man hier viel besser argumentieren, weil einem die wissenschaftliche Literatur und unzählige Studien den Rücken stärken. Die Grundlage ist eine ganz andere und sehr viel stabiler als die ideologische Argumentation.

 

 

Aber Paleo ist mehr als nur Ernährung. Es ist ein Lifestyle. Viele reduzieren Paleo einfach nur auf Fleisch, Fleisch, Fleisch. Oder einfach nur aufs Essen. Das ist falsch. Ein Lifestyle versucht, alle Aspekte eines gesunden Lebens abzudecken. Hier zeigt sich mal wieder, dass wir nicht versuchen, unsere Freunde aus der Steinzeit zu imitieren, sondern von ihnen zu lernen. Zu vergleichen, wie man damals gelebt hat, um zu verstehen, warum wir heute unter so vielen gesundheitlichen Problemen leiden.

Was also bedeutet dieser Lifestyle noch für mich?

SPORT!!! Ganz wichtiger Aspekt meines Lebens. Täglich Sport. Kraftsport. Ausdauersport. Kampfsport. Ballsport. Alles. Hauptsache bewegen. Hauptsache, seinen Hintern vom Stuhl hoch bekommen. Am besten an der frischen Luft . Sport und Ernährung müssen immer Hand in Hand gehen, egal, welche Ziele man verfolgt. Das eine funktioniert nicht ohne das andere.

frische Luft: Wir sind nicht dazu gemacht, 24h täglich in geschlossenen Räumen zu verbringen. Frische Luft hat viele fördernde Effekte  auf unsere Stimmung und unseren Körper. Außerdem kommen wir so spielerisch leicht an genug …

Sonne: Vitamin D-Mangel (um nur ein Bsp zu nennen) ist weit verbreitet in unserer Gesellschaft. Wer genug an der frischen Luft ist, hat hier nichts zu befürchten. Außerdem macht Sonne glücklich.

Genug und guter Schlaf: Abends zur Ruhe kommen und gut schlafen ist unheimlich wichtig für uns und sollte nicht unterschätzt werden. Als Faustregel gilt 7-8h pro Nacht oder, bis man von alleine aufwacht und sich ausgeruht fühlt. Zur Verbesserung der Schlafqualität helfen bei mir Ohrenstöpsel, offene Fenster , eine dünne Decke , wenig Kleidung und kein elektronisches Licht oder Sport ab 1h vor dem Schlafen

Sozialleben: Der Mensch ist ein Rudeltier. Damals wie heute fühlt er sich in der Gesellschaft geliebter Menschen am wohlsten. Wann immer ich die Möglichkeit habe, einen Abend unter Freunden/Familie einem Abend vor dem Fernseher/Fitnessstudio vorzuziehen, mache ich es. Ohne funktionierendes Sozialleben können Menschen nicht glücklich sein. Und damit auch nicht gesund. Basta!

Musik: Die Musik hat in der Entwicklungsgeschichte des Gehirns einen genauso wichtigen Platz wie eine Hand mit 5 Fingern. Selbst Musik zu produzieren ist eines der Grundbedürfnisse unseres Gehirns (genauso wie Abwechslung, Sex und Zucker). Probiert es aus 🙂

Sex: Selbsterklärend. Sollten Fragen bestehen, wendet euch bitte an eure Eltern oder das aufklärende Internet 😉

Kreativität: Unser Gehirn sucht ständig nach neuen Aufgaben und Herausforderungen. Wenn unser Alltag immer gleich abläuft, kann unser Gehirn nicht das Potential abrufen, das es hat. Also sucht immer wieder nach Abwechslung und neuen Aufgaben, am besten nach Hobbys, in denen ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen könnt. Geht dabei auch mal unkonventionelle Wege! Euer Gehirn wird dadurch nicht nur produktiver, ihr werdet dadurch auch zufriedener (ihr könnt es auch als Ablass-Ventil benutzen)

 

 

Ich könnte ein Buch darüber schreiben, was Paleo noch alles für mich bedeutet und was nicht. Was ich damit verbinde und für Erfahrungen gemacht habe. In diesem Artikel habe ich mir das wichtigste einfach mal von der Seele geschrieben. Reduziert Paleo nicht aufs Essen oder die Steinzeit. Seht es stattdessen als das an, was es ist:

Der gesündeste und am einfachsten zu realisierende Lebensstil, den es aus meiner Sicht gibt.

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6 Gedanken zu “Fazit nach 3 Jahren – was bedeutet Paleo für mich?

  1. sehr klasse! und ein buch von dir würde ich lesen wollen!
    der artikel sprüht nur so vor energie! 🙂
    er spiegelt auch meine erfahrungen.
    sehr gut!

  2. Hallo Martin,
    wie schön und exakt auf den Punkt gebracht!!! Dankeschön!
    Ich habe nun seit knapp einem Jahr mein Leben auf und mit Paleo umgestellt. Der Auslöser war meine Verdauung. Ich hatte Nachts immer sehr starke Blähungen die sich nicht lösten. Kein Arzt konnte mir helfen. Ich war bei vielen Ärzten, sogar die „große Hafenrundfahrt“ und eine Magenspiegelung mußte ich über nicht ergehen lassen, alles ohne Ergebnis/Befund.
    Ich mußte mir also selber helfen. Dann bin ich auf die Paleo-Lebensweise gestoßen. Gesehen, für absolut logisch empfunden und los ging es……. Heute, ein Jahr später und nebenbei knapp 15 Kg leichter habe ich meinen Darm zu 90% im Griff. Und die positiven Nebeneffekte wie schön oben von Dir zusammengefaßt kann ich nur bestätigen!!!! Ich habe mich schon immer gern bewegt (Sport) in welcher Form auch immer. Nur wurde der Drang mich zu bewegen mit Paleo wieder so stark wie früher (ich bin junge 37 Jahre) ;-).
    Ich finde es auch toll das Du z. B. schreibst: „wenig Zucker“. Denn es kommt bei mir schon mal vor das ich mal eine Kugel Eis esse. Oder alle paar Wochen ist auch mal ein Mandelhörnchen dabei. Komplett werde ich mir das nicht nehmen lassen. Nur da ich mich zu weit über 90% nach Paleo ernähre fallen ein paar kleine „Ausreißer“ zwischendurch nicht auf. Und ein Darm bestätigt mir das. Was ich damit sagen will: es zeigt mir das Du eine gesunde Einstellung zur Paleo-Lebensweise gefunden hast und keine fanatische. Und das ist der zweite Punkt warum dieser Beitrag so schön ist. Nochmals, Dankeschön und eine schöne (Erdbeer)-Zeit 😉
    Viele Grüße
    Daniel

    • Hi Daniel, vielen Dank für deinen Kommentar Glückwunsch zu deinen Erfolgen! Immer schön solche Erfolgsgeschichten zu hören und sich bestätigt zu fühlen. Du sprichst mir da in vielerlei Hinsicht aus dem Herzen. Wünsche dir weiterhin Gute 🙂 lass ruhig immer mal von dir hören, was sich gesundheitstechnisch bei dir tut!
      Gruß Martin

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