Classic Paleo: Meatzza (Hackfleischpizza)

Wenn ich ehrlich sein darf, dann war der Belag schon immer der beste Teil der Pizza (bis auf das eine Mal, als mir ein italienischer Freund in stundenlanger, liebevoller Handarbeit eine Pizza Margarita gemacht hat. Das war mal ne anständige Pizza! Aber ich schweife ab…). Von daher fällt mir der Verzicht auf Pizza in dem Sinne nicht schwer. Vor allem nicht, wenn man das Beste an der Pizza – den Belag/Fleisch/Käse – einfach nimmt und daraus eine eigene Pizza macht. Und wenn man viel Sport macht und oft an seinen Eiweißbedarf denkt, ist sie der perfekte Kompromiss: Die Meatzza!

Gehört habe ich den Begriff das erste Mal hier – bei EpicMealTime, einer der coolsten Kochshows überhaupt.

Die Meatzza ist schnell gemacht. Sie besteht aus immer dem selben Boden: Fleisch! (und ein Ei, Zwiebel, Gewürze)

Auf den Boden kann dann „Belag“ nach Bedarf gelegt werden. Ich nehme gerne eine Lage passierte Tomaten, fein gehackte Zwiebeln und Brokkoli oben drauf. Man kann auch einfach noch ein paar Eier auf das Hackfleisch schlagen. Oder Speck. Wonach euch gerade ist. Oder was der Kühlschrank gerade hergibt (Resteverwertung).

 

Rezeptvorschlag (1 Person):

Boden:

300g Hackfleisch (Rind schmeckt mir am besten)

1 Ei

1/2 Zwiebel20150528_185451

Salz, Pfeffer

– Alles verkneten und 1-2cm dick ausgebreitet für 15min. bei 180°C im Ofen backen

 

Belag:

100ml passierte Tomaten (um das Fleisch zu bedecken)

1/2 Zwiebel

150g Brokkoli-Röschen

ein paar Mandelstifte

Salz, Pfeffer, Pizzakräuter (Oregano, Basilikum, Rosmarin, Thymian)

– Belag auf dem Boden verteilen und noch einmal für 10min. bei 150°C im Ofen garen. Die Brokkoli-Röschen sollten noch leichten Biss haben. Die Kräuter frisch auf die fertige Meatzza streuen, da sie sonst Aroma verlieren.

 

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optional:

1 Paprika (oder ein bunter Mix aus verschiedenfarbigen Paprikas) oder

2 Eier oder

1 Zucchini (grob geschnitten) oder

Bauchspeck (um den Fleischgehalt bei nahezu 100% zu behalten 😉 )

Käse (für die Primals unter euch)

was der Kühlschrank hergibt!

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Keine große Kunst. Sehr einfaches Rezept, sehr lecker. Sehr günstig (Kostenfaktor pro Person: max. 2€). Und gesund. Haut rein 🙂

Die 12 Richtlinien der Paleo-Ernährung – Teil 1

Nach einem Hinweis einer Freundin und ein wenig Grübeln bin ich auf den Gedanken gekommen, ein paar einfache Richtlinien für die Paleo-Ernährung – für Einsteiger und Fortgeschrittene – zusammen zu schreiben.
Sie sollen als Richtlinien gelten, sind aber keine Regeln.
Jeder muss selbst entscheiden, was er verträgt, was ihm gut tut und welche
Ziele er hat.
Bei den meisten Menschen werden diese 12 Regeln positive, wahrscheinlich bessere Resultate erzielen als die meisten Ernährungstipps und -Regeln, die aus öffentlichen Kreisen wie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bekannt sind. (In Zeiten, in denen 60% aller Deutschen übergewichtig sind und Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Autoimmunerkrankungen, welche auf schlechte Ernährung und mangelnden Sport zurück zu führen sind, um sich greifen, sollte man solche Ratschlage getrost hinterfragen.)
Diese Richtlinien hier sind nicht allgemeingültig, sondern als Tipps von mir gedacht. Ich habe sie in Anlehnung an die 10 Richtlinien der DGE ein wenig umgeschrieben 🙂

 

1. Natürliche und unverarbeitete Produkte

Vollwertiges Essen und Trinken beinhaltet eine abwechslungsreiche Auswahl, angemessene Menge und Kombination nährstoffreicher Lebensmittel. Wählen Sie überwiegend natürliche und Kiste mit Obst und Gemüseunverarbeitete Lebensmittel und bevorzugen Sie diese vor verarbeiteten Produkten (ein Apfel ist gesünder als eine Apfeltasche). Diese haben eine gesundheitsfördernde Wirkung und unterstützen eine nachhaltige Ernährungsweise. [1] [englischsprachiger Artikel über verarbeitete Produkte]
2. Keine  Getreideprodukte 
Brot, Getreideflocken, Nudeln, Reis, am besten aus Vollkorn enthalten wenig bis keine gluten  grainsnennenswerten Vitamine, Mineralstoffe sowie Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.[1] Verzehren Sie diese Lebensmittel nur in Ausnahmefällen.  Die Ballaststoffe in den meisten Getreidesorten sind unlösliche Faserstoffe (z.b. Cellulose) und tragen weniger zu einem gut funktionierenden Darmtrakt bei als vergleichbare Mengen an frischem Obst oder Gemüse (mehr lösliche Ballaststoffe, mehr Nährstoffe) [2][3][4][5]. Eine hohe Zufuhr an Getreideprodukten kann die Risiken für verschiedene ernährungsbedingte Krankheiten wie Osteoporose, Karies und Diabetes erhöhen [Cordain L. Cereal grains: humanity’s double edged sword. World Rev Nutr Diet 1999;84:19 –73.]. Wenn nicht vermeidbar, bevorzugen Sie glutenfreies Pseudo-Getreide gegenüber herkömmlichem Getreide.

 

 

3. Gemüse und Obst – mehrmals täglich
Genießen Sie mehrmals täglich Gemüse und Obst, möglichst frisch, nur kurz gegart oder gelegentlich auch als Saft oder Smoothie – zu jeder Hauptmahlzeit und als Zwischenmahlzeit: Damit werden Sie reichlich mit Vitaminen, Mineralstoffen sowie Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen versorgt und verringern das Risiko für ernährungsmitbedingte Krankheiten. [7][8][9] Bevorzugen Sie saisonale Produkte und nutzen Sie die Vielfalt der verschiedenen Gemüsesorten. bowl-of-salad

Wenn Sie Rohkost nicht gut vertragen, dünsten Sie es kurz und mit wenig Wasser.

 

 

 

4. Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen

Diese Nahrungsmittel sind mitunter reich an Nährstoffen [9] und haben stoffwechselfördernde Eigenschaften [10][11][12], sind aber auch reich an Antinährstoffen wie z.B. Phytinsäure und Lektine. nüsseVerzehren Sie Nüsse und Samen daher gerne täglich – aber nur in kleinen Mengen. Hülsenfrüchte sind, da im rohen Zustand giftig, mit Vorsicht zu genießen und nur bei sorgfältiger Zubereitung zu verzehren.
5. Milch und Milchprodukte 

Viele Menschen schleppen Intoleranzen und Allergien gegen Milchprodukte mit sich herum, oft, ohne es zu wissen [13]. Milchprodukte enthalten zwar nennenswerte Mengen an Nährstoffen [14], können aber Ansteckungs- sowie Zivilisationskrankheiten begünstigen, die Literatur/Wissenschaft streitet sich in diesem Thema aber fortlaufend [15][16][17]. Sie sind daher nur in kleineren Mengen zu verzehren und auch nur, wenn sie gut vertragen werden.high-fat-dairy-products

Joghurt als fermentiertes Nahrungsmittel ist aufgrund seiner probiotischen Eigenschaften als eine biologische Aufwertung gegenüber Milch zu verstehen [18]– bevorzugen Sie diesen daher anderen Milchprodukten. Ebenso Kefir.

 

 

 

6. Fisch, Fleisch und Eier

Diese Lebensmittel enthalten wertvolle Nährstoffe, wie z.B. Jod, Selen und n-3 Fettsäuren in Seefisch. Entscheiden Sie sich bei Fisch für Produkte mit anerkannt nachhaltiger Herkunft. Im Rahmen einer vollwertigen Ernährung sollten Sie unverarbeitetes Fleisch den verarbeiteten Wurstwaren vorziehen [19][20][21]. Achten Sie außerdem auf qualitativ hochwertiges Fleisch aus artgerechter Haltung.

Können Sie sich nur Fleisch aus industrieller Mast leisten, bevorzugen Sie magere Produkte.beef

Fleisch ist Lieferant von  Eiweiß, Mineralstoffen und Vitaminen (A, D, E, K2, B1, B6 und B12). Weißes und rotes Fleisch sind gleichwertig zu behandeln (s. [19] und [20], sollten aber daran angepasst werden, was der Einzelne verträgt (nicht jeder verträgt z.b. Schweinefleisch). Fleisch (v.a. mageres), Fisch und Eier können, sofern unverarbeitet und selbst zubereitet, bedenkenlos täglich genossen werden.[21]

 

So viel zu den ersten 6 Richtlinien, weitere 6 werden folgen.

Wie gesagt, es sind nur Richtlinien und Erfahrungen, die ich in 3 Jahren Paleo gesammelt habe.

Kritik und Anmerkungen (wenn ich etwas vergessen habe) sind wie immer gern gesehen 🙂

 

Bis demnächst

Blutbild nach 2,5 Jahren Paleo – Blutfettwerte

Hallo 🙂

nach einer ersten Vorstellung meines aktuellen Lifestyles [klick] beginne ich heute mit der Vorstellung meiner Blutwerte. Ich wollte wissen, inwiefern die Paleo-Ernährung meine Blutwerte beeinflusst und ob durch mein teils hohen Konsum an tierischen Produkten ein hohes Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes etc. vorliegt (wie uns so oft von den Medien verklickert wird). Dass es nicht so ist, ahnt ihr vielleicht bereits, aber um es schwarz auf weiß zu haben, hier meine Ergebnisse für die Blutfette.

(Ich versuche immer noch zu beschreiben, was diese Werte bedeuten und wie man sie interpretieren kann).

 

Blutfette:

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Cholesterin: 210 mg/dl (Normwert: <200 mg/dl)

Davon HDL-gebundenes Cholesterin: 67,5 mg/dl (Normwert: >35 mg/dl)

Davon LDL-gebundenes Cholesterin: 119,2 mg/dl (Normwert: <130 mg/dl)

Verhältnis LDL/HDL: 1,8 (Normwert: <3)

Mein Gesamtcholesterin ist zwar leicht erhöht, aber wie naturwissenschaftlich aufgeklärte Leser schon wissen, ist es die Aufteilung in HDL und LDL, die entscheident ist.[1] Je höher das HDL und je niedriger das LDL, je kleiner also das LDL/HDL-Verhältnis, desto besser. Und das liegt bei mir weit unter Normwert.

Es ist ein normales Bild, denn ich esse viel Fett, viel Cholesterin, und das muss irgendwie im Blut transportiert und verstoffwechselt werden. Der Zusammenhang aus Cholesterin aus der Nahrung und Herzinfarkten ist längst widerlegt und überholt, der Cholesterin-Mechanismus ist ein anderer und wesentlich komplizierter. [2] Aber soviel sei gesagt: Unser Körper kann selbst Cholesterin herstellen und es auch wieder abbauen, wenn zuviel (z.B. nach 10 Eiern) durch Nahrung reinkommt oder zuviel hergestellt wird.

Krankhaft hohe Cholesterin-Werte sind demnach eher ein Hinweis auf eine Stoffwechselerkrankung, die in schlechter Ernährung, schlechtem Schlaf und mangelndem Sport wurzeln kann [3].

 

Triglyzeride: 56 mg/dl (Normwert: <150 mg/dl)Fettebild1

Als Triglyzeride bezeichnet man chemisch drei Fettsäuremoleküle, die an ein Glyzerin-Molekül gebunden sind. Mit Nahrungsfett hängen sie nicht so stark zusammen wie der Fructose- und Alkohol-Konsum.[4]

Fructose wird in unserer Leber zu Glyzerin abgebaut und, da unsere Leber es nur in kleinen Mengen weiterverstoffwechseln kann, wird es zu einem Triglyzerid verestert.[5]

Ich esse zwar viel Obst und esse dadurch einigermaßen viel Fructose, aber verglichen mit dem, was der Durchschnittsbürger jeden Tag an Zucker (in Form von Nutella, Marmelade, Snickers, Cornflakes, …) isst, ist das noch vergleichsweise wenig. Außerdem trinke ich wenig Alkohol für mein Alter. Deswegen ist mein Triglyzerid-Wert auch recht niedrig. Ein zu hoher Wert wäre auch ein Risikofaktor u.a. für Diabetes (zusammen mit erhöhtem Blutzucker).[5]

Zu hoher Fructose-Konsum ist einer der Probleme, warum die Gesundheit unserer Gesellschaft bergab geht. Er erhöht nicht nur das Risiko für Diabetes, er trägt auch zu einer sogenannten Fettleber bei (genau wie Alkohol)[6]  und erhöht das Risiko für Atheriosklerose und koronare Herzkrankheiten (da zum Transport von Triglyzeriden im Blut VLDL nötig ist, also das „sehr schlechte Cholesterin“)[5][7]

[kleine Anmerkung: Frutarier (und manche Rohköstler), das sind Menschen, die sich grob gesagt nur von Obst und Gemüse ernähren, müssen ihren Kalorienbedarf zwangsläufig über Obst, also Fructose, decken. Sie haben in der Regel Triglyzerid-Werte über 150 mg/dl]

 

Neuer Marker:

Nach Untersuchen wurde ein neues Modell vorgestellt, um aus den Blutfett-Werten präzisere Aussagen über das Risiko für Gefäß-Erkrankungen und Diabetes 2 machen zu können. Hintergrund dabei war u.a., dass die Blutfett-Werte vor Allem zwischen den Geschlechtern und der Herkunft variieren. Man kann also die sogenannten Normwerte für Männer und Frauen nicht gleichsetzen. Außerdem hat man nach einem besseren Risikofaktor-Index gesucht als Bauchfett und andere äußere Maße. (An dieser Stelle ein Danke an Mag. Julia Tulipan für den Hinweis)

Ein präziser Wert dafür ist das Verhältnis von Triglyzeriden/HDL. Je niedriger dieser Wert, desto besser, da hohe Triglyzeride und niedriges HDL mit genannten Risikofaktoren zusammenhängen.

Für Männer galt dabei ein Wert <3,5 als ok, für Frauen <2,5. [8]]

Mein Verhältnis wäre demnach 0,83. Was sehr niedrig ist. Was nach diesem Standpunkt einem sehr niedrigen Risiko für genannte Krankheiten entspricht.

Und das, obwohl die Welt behauptet, Eier und Fleisch erhöhen das Risiko für alle möglichen Zivilisationskrankheiten.

 

Warum sind meine Blutfett-Werte so gut?

Hier kann ich nur spekulieren.

Mein HDL ist sehr hoch. Was mir dazu sofort einfällt: Angesichts der etwa 40 Eier, die ich pro Woche esse, und der Tatsache, dass Eier das HDL erhöhen, könnte hier ein Zusammenhang bestehen.[9][10]

Dass ich trotz relativ vielem Obst aber wenig Zucker esse und wenig Alkoho trinke, könnte meine sehr niedrigen Triglyzerid-Werte erklären.

Sport und guter Schlaf erniedrigen Triglyzerid- und Cholesterin-Werte[11]. Auch hier wäre ein Erklärungsansatz, da ich relativ stabil 7,5h guten Schlaf pro Nacht bekomme und fast jeden Tag Sport treibe.

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Wie kann ich meine Werte noch verbessern?

Der einzige Wert, der hier aus der Reihe tanzt, ist das erhöhte Gesamtcholesterin. Laut aktueller wissenschaftlicher Lage ist das aber kein Risikofaktor, da meine Verhältnisse (s.o.) gut sind.

Allerdings werde ich in den nächsten Wochen meine Ernährung dahingehend verändern, dass ich an Tagen, in denen ich ins Fitnessstudio gehe oder ein Freeletics-Workout mache, besonders vor den Workouts Fett durch Kohlenhydrate (Bananen, Kartoffeln, Süßkartoffeln) ersetze, um eine höhere Leistung zu erzielen. Vielleicht senkt sich dadurch der Cholesterinspiegel wieder etwas. Aber das ist nichts, was ich bewusst verändern wollen würde.


Ich kann euch auch raten, eure Blutwerte regelmäßig zu überprüfen, da bei ggf. Vorerkrankungen oder unbekannten, körpereigenen Schwächen manchmal Defizite bestehen, von denen man nichts weiß. Oder man landet plötzlich in einer Risikogruppe.
Denn jeder Körper ist anders und reagiert anders auf die Ernährung und den Sport. Was bei mir klappt, muss nicht bei jedem anderen auch klappen!

Fleisch schadet der Umwelt! Oder doch nicht?! – Ein Kommentar

Ständig darf ich mir anhören und im WWW lesen, dass Fleischesser den Klimawandel vorantreiben, den Regenwald abholzen und der Umwelt auf andere, fiese Arten schaden. Dazu muss ich einfach mal Stellung nehmen.meat-is-muder

Diese Argumente der Vegetarier und Veganer sind auf den ersten Blick richtig und nachvollziehbar. Ja, Fleischproduktion (ich spreche im Artikel der Einfachheit halber nur von Fleischproduktion, dabei meine ich aber auch andere Tierprodukte) pustet mehr Treibhausgase in die Luft als Gemüseproduktion, für Rinderfarmen in Brasilien wird der Regenwald abgeholzt, die Meere werden leergefischt, Korallenriffe zerstört und die Wüsten breiten sich aus, weil Rinderherden der ansässigen Nomaden Brunnen leertrinken und das Land platttreten.

Aber ist das wirklich der einzige Grund, warum diese Dinge passieren? Und ist es überhaupt der schlimmste Grund? Und sind die Veganer in ihrem rosaroten Märchenschloss wirklich die liebsten und gewissenhaftesten unter uns Menschen?

 


Diese Argumente lenken zunächst vom eigentlichen Problem ab: Wir sind zu viele Menschen auf der Erde! 

Es gibt eine kritische Zahl. So viele Menschen kann die Natur anständig (das heißt artgerecht) ernähren, ohne dass sie dabei selbst in Mitleidenschaft gezogen wird. Diese Zahl wurde schon lange überschritten. Egal mit welcher Ernährungsform, wir schaden der Natur schon einmal, weil wir zu viele Menschen sind.too-many-humans

Jetzt mal ein kleines Gedankenspiel: Wir sind aktuell 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Die (platztechnische) Kapazität der Erde, alle Menschen halbwegs gut ernähren zu können, ist bei, sagen wir, 10 Mrd. In 50 Jahren haben wir Menschen uns weiter vermehrt und diese Kapazitätsgrenze erreicht. Also überlegen wir uns, kein Fleisch mehr zu essen, denn die Produktion von Fleisch beansprucht mehr Platz als andere Nahrungsmittel. Neue Kapizitätsgrenze: 15 Mrd. Diese Grenze ist nach weiteren 50 Jahren erreicht. Jetzt hören die Menschen auf, Milchprodukte zu essen. Neue Kapazitätsgrenze. 20 Mrd., nach 25 Jahren erreicht. Also lassen die Menschen auch Eier weg und ernähren sich fortan vegan. Neue Kapazitätsgrenze: 30 Mrd. Diese ist nach weiteren 50 Jahren erreicht, die Veganer kratzen sich am Kopf und beschließen, nur noch Getreide zu essen, da Getreide (auf den Hektar Land bezogen) mehr Kalorien zur Verfügung stellt als Gemüse. Alle Menschen essen nur noch Getreide und Reis. Neue Kapazitätsgrenze: 50 Mrd. Nach weiteren 50 Jahren sind alle Menschen an Nährstoffmangel gestorben.

Ihr seht, das Problem, warum unsere Natur zugrunde geht, liegt primär nicht an unserem Fleischverzehr, sondern an der schieren Masse an Menschen. Klar, wären wir jetzt alle vegan, würde das der Erde erstmal helfen. Aber wir Menschen vemehren uns weiter. Und weiter. Auf lange Sicht ist es die einzige Lösung, unsere Zahl wieder so zu reduzieren, dass es Mensch und Natur am meisten nützt. Das ist aber leider nicht möglich, wir können uns weder alle kastrieren lassen noch diese Zahl gewaltsam reduzieren. Wie also entgehen wir diesem Dilemma? Wie sollen wir uns von unserer artgerechten Ernährung abwenden, ohne (aufgrund unserer Zahl) dabei dem Planeten zu schaden?

Das Argument der Vegetarier und Veganer, wir belasten unsere Umwelt, ist also nur oberflächlich und kurzfristig gedacht.

–Außerdem habe ich gelesen, dass wir all die Probleme, die uns und Natur heute belasten, nicht vorhanden oder nur ein Bruchteil dessen wären, was sie heute sind, wären wir nur halb so viele Menschen. 

 

Aber drehen wir den Spieß doch einmal um: Schaden Fleischlose denn gar nicht der Umwelt?

– Für das Anlegen neuer Sojafelder wird auch massig Regenwald abgeholzt und Tiere durch das abholzung_indonesien_1Anlegen von Monokulturen an den Rande des Aussterbens gebracht. Außerdem ist die Sojapflanze für die Hauptanbauländer (wie z.B. Brasilien) überhaupt nicht gemacht, sie entzieht dem Boden zu viele Nährstoffe und ist deswegen nur für geringe und begrenzte Zeit auf einem Feld anbaufähig. Ist der Boden ausgelaugt, zieht man also weiter, holzt weiteren Wald ab. Und so weiter. Dazu empfehle ich den Film „We feed the world“.

– Auch die Getreide- und Gemüseproduktion (um nur 2 Sektoren zu nennen) erzeugt Treibhausgase. Felder müssen gedüngt werden, was viel Nitrat-Dünger benötigt, die Produktion von Nitrat aus Ammoniak aus Luft ist EXTREM energieaufwendig.

– Felder werden gespritzt. Pestizide, Insektizide sowie Pflanzenhormone belasten auch die Umwelt und, über Trinkwasser, uns Menschen. Und nicht alle Vegetarier leben auch Bio.

– Reisfelder produzieren auch Methan. In einem Umfang, der mit den 1 Mrd. furzenden Kühen auf der Erde locker mithalten kann.

 

Ich entschuldige mich an dieser Stelle bei allen Vegetariern und Veganern, die auch dies berücksichtigen. Aber nicht alle sind so, diesen Menschen empfehle ich einfach mal, die Augen zu öffnen und auch sich immer kritisch zu hinterfragen. Auch schneiden die oben genannten Punkte nur einige fehlgeleitete Dinge (auch in der Veganerwelt) an, dies auch nur oberflächlich. Ich hoffe, ihr versteht das, das hier ist schließlich ein Blog, und nicht jeder Artikel ist präzise und von vorne bis hinten wissenschaftlich hinterlegt. Hier bringe ich gerade meine Meinung und mein Hintergrundwissen zum Ausdruck.

 

 

Trotzdem: Fleisch schadet (wenn auch über Umwege) der Umwelt, dass wir zu viele Menschen auf der Erde sind und das nicht ändern können, legitimiert nicht, dass wir tatenlos zusehen und kiloweise Fleisch verzehren können, während woanders ganz andere Probleme sind. Was kann man also tun?

– weniger Fleisch essen

– auf Qualität des Fleisches achten und nicht jeden Schrott essen

– auf Herkunft des Fleisches achten (möglichst regional und artgerecht erzeugt ist Trumpf)

– Fleisch durch andere Proteinquellen ersetzen, z.B. Eier (Bio) oder nachhaltig gefangenen Fisch

 

Somit leibt jedem selbst überlassen, wie er mit dem „Fleischproblem“ umgeht. Dass es nicht gut sein kann (weder für Erzeuger oder Verbraucher noch für die Tiere und Umwelt), wenn das Kilo Hähnchenkeulen im Aldi 1,50€ kostet, ist ja wohl klar. Hier wird auf Kosten der Tiere (Massenhaltung) und Natur (Sojafutter) der Preis gesenkt. Ein bisschen gesunder Menschenverstand hat hier noch nie geschadet. Paleo bedeutet auch Nachhaltigkeit und artgerechte Tierhaltung. Das ist nicht nur besser für Mensch und Natur, sondern auch gesünder für unseren Körper.

Allerdings schaden wir schon allein durch unsere Masse an Menschen der Natur, fast unausweislich, egal, wie wir uns ernähren. Wir können aber den Schaden reduzieren/minimieren, indem wir auf die oben genannten Punkte achten. Kostet zwar ein paar Mark mehr, aber lohnt sich geschmacklich und gesundheitlich und umwelttechnisch immens.

Wer sich weiter zum Thema Nachhaltigkeit informieren möchte, dem kann ich die Seite Urgeschmack.de sehr empfehlen.

 

 

Ich bitte um reichlich Kommentare, Meinungen und Kritik. Reichlich 🙂

Paleo goes mainstream (?), Welt.de über Paleo

 Teil 3 meiner Reihe und meines Stöberns nach Paleo-kommentierenden Artikeln im WWW. Heute wieder etwas länger, aber nicht erschrecken, es lohnt sich 🙂

 

Frisches Obst, Eier und jede Menge Fleisch – das sind die Grundlagen der Steinzeit-Diät, die in den USA immer mehr Anhänger findet. Gegessen werden dabei nur Nahrungsmittel, von denen sich bereits unsere steinzeitlichen Vorfahren ernährten, bevor sie sesshaft wurden.

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Fällt euch was auf? Das erste, was immer über Paleo kommt, ist das mit dem vielen Fleisch. Als ob wir uns nur von Fleisch ernähren würden. Ich selbst esse an max. 4 Tagen in der Woche Fleisch, hin und wieder lege ich auch vegetarische (dann aber 10 Eier am Tag 😉 ) oder vegane Tage (nur Obst und Gemüse) ein.

Die Befürworter sehen die Ur-Kost als wirksamen Schutz gegen Zivilisationskrankheiten wie Herzleiden,Übergewicht und Diabetes. […] Eine in der Fachzeitschrift „Journal of Diabetes Science and Technology“ veröffentlichte Studie etwa sieht als Folge der Steinzeit-Speisen verbesserte Blutzuckerwerte und ein vermindertes Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Dass es gesund ist,  ist erwiesen. Paleo (Low-Carb) heizt den Stoffwechsel an und enthält massig Nährstoffe [1], ist einer der, wenn nicht der effektivste Weg, Gewicht zu verlieren [2], hilft beim metabolischen Syndrom [4] und zahlreichen anderen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes [5]

Die Paläo-Diät wird von einigen Wissenschaftlern und Fitness-Gurus geschätzt. […] Die Theorie der Steinzeitdiät beruht auf der Annahme, dass die kohlenhydratarme Ur-Kost Gesundheit und Gehirnfunktionen des frühen Homo Sapiens gestärkt und somit die Entwicklung zum modernen Menschen begünstigt habe. Die Anhänger dieser Ernährungslehre verweisen darauf, dass das menschliche Erbgut seit der Steinzeit weitgehend unverändert ist – und die menschliche Präferenz für viel Fleisch somit in den Genen verankert ist.tumblr_m1htb0oEAs1rsyh9eo1_500

Dass der Mensch der geborene Fleischesser ist, sieht man auch an der Form und Länge seines Darms. Der ist im Laufe der Evolution immer kürzer geworden, weil sich der Mensch vom reinen Pflanzenesser (langer Darm) zum Omnivore (zwischen kurzem Darm eines reinen Fleischessers und langem Darm eines Pflanzenessers) entwickelt hat. Wer Zeit hat, hier ein schöner englischsprachiger Artikel zum Thema Fleisch [6]

(Übrigens: Die Wissenschaft streitet noch darüber, aber es sieht danach aus, dass, wenn überhaupt, verarbeitetes rotes Fleisch für die vielen Krankheitsrisikos (Herz-Kreislauf, Gefäßerkrankungen, Schlaganfall) verantwortlich ist. Allerdings ist selbst das umstritten. Solange man sein Fleisch unverarbeitet isst (z.B. keine Wurstwaren), ist man aber auch der sicheren Seite) [7] [8]

 Laut einer schwedischen Untersuchung, erschienen in der Fachzeitschrift „Journal Nutrition and Metabolism“, sättigt die Ur-Kost pro Kalorie sogar besser als die als besonders gesund geltende Mittelmeer-Diät und beugt damit Übergewicht vor.

Weil im Unterschied zur Mittelmeer-Diät auf energiereiches und nährstoffarmes Getreide verzichtet und durch bessere Nahrungsmittel ersetzt wird. Die Mittelmeer-Diät ist übrigens eine Erfindung von Ancel Keys, jenem Wissenschaftler, dem wir durch die berühmt-berüchtigte 7-Länder-Studie die Anti-Fett-Hysterie der letzten 60 Jahre zu verdanken haben.[7] Die Idee mit der Mittelmeer-Diät beruhte auf seiner Beobachtung, dass es in Italien und auf Kreta überdurchschnittlich viele Hundertjährige gab, was auf die Ernährung, welche arm an tierischem Fett ist, zurückzuführen sei. Das war nur eine Beobachtung und Vermutung, wie gesagt. Wissenschaftlich komplett unfundiert. Attila Hildmann ist in das „Dorf der Hundertjährigen“ in Italien gereist und ist dem nachgegangen. Er schreibt viele Gründe, warum die Menschen dort so alt werden, die tierischen Fette werden in keinem Satz erwähnt (Nachzulesen in seinem Buch „Vegan for Youth“). Das ist mal ein anderer Artikel wert.

Außerdem gibt es in Italien vielleicht mehr überdurchschnittlich alte Menschen, aber die Lebenserwartung von Deutschland und Italien ist in etwa gleich groß [10]

Umstritten ist dagegen der Verzicht auf die meisten Getreideprodukte und Milch bei gleichzeitiger Präferenz für proteinreiche Fleisch- und Fischgerichte. [..] dass bei der Steinzeit-Diät nur 23 Prozent der Kalorien von Kohlenhydraten stammten – deutlich weniger als die 45 bis 65 Prozent, die von der US-Regierung empfohlen würden. Zugleich würden die Werte für Proteine und Fette die Empfehlungen übersteigen.

Komplett unsinniges Argument. Natürlich entspricht die Steinzeiternährung nicht den aktuellen Ernährungsempfehlungen, wir leben schließlich nicht mehr in der Steinzeit, sondern modern, mit moderner Ernährung (und modernen Empfehlungen). Einer Ernährung, die zu 72% (Prof. Cordain) aus Essen besteht, an das unser Körper nicht angepasst ist (Zucker, Alkohol, Getreide, Hülsenfrüchte, Milchprodukte). Außerdem kommen die heutigen Ernährungsempfehlungen von lobbyistisch eingestellten, meinungsbildenden Institutionen wie der D.G.E. oder, wie in den USA, der USDA. Das und warum eine proteinreiche Ernährung nicht schädlich für uns ist, in Teil 1 meiner Reihe (Link ganz oben).

Marion Nestle, Ernährungswissenschaftlerin an der New York University,[…] bezweifelt [.], dass in der Steinzeit tatsächlich die Hälfte der Kalorien durch den Konsum von Fleisch aufgenommen worden seien, wie von Anhängern dieser Ernährungsweise behauptet wird.

Es gibt viele Gruppierungen einer jeder Szene, auch der Paleo-Szene. Es gibt immer Fanatische, die teils repräsentativ sein wollen/sind für die ganze Szene. Es ist keine reine Fleischernährung, es hat auch nie jemand Regeln aufgestellt, wieviel Prozent unserer Ernährung aus Fleisch, wieviel aus Gemüse etc. stammen sollen. Man soll auf seinen Körper und seine Gelüste hören, das sagt einem meist, was der Körper gerade braucht.

Schließlich habe die Lebenserwartung der Menschen in der Steinzeit nur rund 25 Jahre betragen. Die Ernährung, neben den anderen Lebensumständen, sei also „alles andere als ideal“ gewesen, schreibt die Wissenschaftlerin in einem Forschungsaufsatz.

 

Ein Kommentar?

Facepalm

Mein Lieblingsargument gegen Paleo. Ich habe darauf gewartet, und es würde den Rahmen sprengen, ausführlich zu erläutern, warum das gerade FALSCH ist. Ich versuche es kurz und stichpunktartig:

– 25-30 Jahre Lebenserwartung ist eine statistische Betrachtung. Die Kinder- und Säuglingssterblichkeit war damals um ein vielfaches höher als heute. Es leben 2 Menschen, einer stirbt im Alter von 2 Jahren durch einen Säbelzahntiger, der andere wird 60 Jahre alt, bis er sich ein Bein bricht und an einer Blutvergiftung stirbt. Statistisch wurden diese 2 Menschen im Schnitt nur 31 Jahre alt. So kommt man auch irgendwie auf den Wert 25 Jahre, er ist statistisch. Die Sterblichkeit war damals viel höher, weil:

– es gab keine Medizin/Ärzte/Krankenhäuser, wenn man krank/verletzt war oder ein Kind bekam

– es gab keine hygienischen Einrichtungen, die Notdurft wurde verrichtet, ohne Händewaschen wurde dann erst im Kadaver des erlegten Tieres herumgepfuscht, dann wurde mit den Händen gegessen.

– es gab keine längerfristigen verlässlichen Unterkünfte. Höhlen und Lagerfeuer damals. Heizung und warme Häuschen heute.

– es gab natürliche Feinde wie Tiere, Natur und feindliche Stämme. Heute gibt es den Nachbarn, seinen Hund sowie Dieter Bohlen.

– wenn man Hunger hatte, musste man Jagen und Sammeln gehen. War dies nicht erfolgreich, gab es nichts zu Beißen. Ist man heute hungrig, ist der nächste Supermarkt nur einen Steinwurf entfernt

– …

das könnte noch sehr viel länger gehen, ihr versteht, worauf ich hinaus will, oder? Die Gründe, warum die Menschen statistisch nicht alt wurden, werden wohl kaum (bzw. nicht vorrangig) an der Ernährung gelegen haben. Anthropologische Untersuchungen ergaben, dass unsere Vorfahren, wenn sie das kritische Kind- und Jugendalter überlebt haben, sehr alt werden konnten und noch im Alter kräftig und fit waren.

 

Danke für eure Aufmerksamkeit 🙂 Wappnet euch gegen schlechten Journalismus und Widersacher, sie lauern an jeder Ecke! 😉

Paleo goes mainstream (?), was sagt Yahoo?

Hallo und willkommen zu Teil 2 meine kleinen Reihe, was öffentliche Medien (die die öffentliche Meinung manipulieren) zu Paleo sagen. In Teil 1 habe ich analysiert, was die BildDerFrau von uns modernen Steinzeitmenschen hält. Leider nicht viel. Heute geht es über einen anderen Artikel, veröffentlicht auf Yahoo. Los gehts:

Obst, Gemüse, Kräuter, Nüsse und jede Menge Fleisch! Das ist die Steinzeitdiät. In den USA hat diese man-sticking-knife-through-meatErnährungsweise bereits Millionen Anhänger und auch in Deutschland werde es immer mehr. Stars wie Megan Fox, Jessica Biel, Miley Cyrus und Veronika Ferres gehören zu den prominenten Vertretern. Wir erklären, welche Idee dahinter steckt und lassen dieses Ernährungskonzept von einer Expertin beurteilen.

Schön, in den USA ist es bekannter und schon länger bekannt. In Deutschland leider nicht. Dank der tollen Öffentlichkeitsarbeit von meinungsbildenden Medien. Besonders von Frauen kommen negative Artikel meist, bei ihnen liegt, wie ich finde, wegen dem anscheinend vielen Fleisch und Fett, die Hemmschwelle für Paleo höher als bei Männern. Aber das nur am Rande.

Paleo ist ausdrücklich keine Abnehm-Diät, sondern ein dauerhaftes Ernährungskonzept. In erster Linie geht es um das allgemeine Wohlbefinden, das sich dadurch verbessern soll. Eine Gewichtsreduktion ist oft eine willkommene Begleiterscheinung.

Schön, wenn zu wieder geschmeichelt wird. Ja, es ist ein längerfristiger Lebensstil. Viele von uns sind schon jahrelang dabei. Und trotzdem nimmt man auch nach Jahren noch ab und baut Muskeln HappyCowauf.

Ein großes Plus ist die Lebenseinstellung der Paleo-Anhänger: Sie achten auf biologische Produkte, artgerechte Tierhaltung und eine nachhaltige Lebensweise. Viel Obst und Gemüse zu essen und dabei auf Alkohol und industriell verarbeitete Lebensmittel zu verzichten klingt gesund. Auch dass das viele Eiweiß in Form von Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten lange satt macht und eine Reduzierung der Kohlehydrate die Pfunde purzeln lässt, klingt einleuchtend.

Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Gonder fällt ein positives Urteil: „Die Steinzeitkost ist eine gute Möglichkeit von vielen, sich gesünder als der Durchschnitt zu ernähren. Wichtig ist, dass eine Vielzahl von Gemüsen, Kräutern, Nüssen und Früchten auf den Tisch kommt, dann dürfte – in Kombination mit den tierischen Lebensmitteln – die Nährstoffversorgung exzellent sein.

Bis hierher muss ich fast restlos zustimmen. Es kommt nicht oft vor, dass sich jemand aus der Ernährungssparte so positiv über Paleo äußert. Unvoreingenommen. Und so ein Urteil setzt auch viel Fachwissen voraus, denn für mich bedeutet Paleo auch angewandte Wissenschaft. Und ich recherchiere gerne aktuelle Forschung dazu.[Bei Veganern ist Fr. Gonder wegen ihrer Pro-Fleisch-Einstellung nicht sehr beliebt 😉 ]

Wir müssen nicht unbedingt Milch- und Getreideprodukte zu uns nehmen, sie machen ein ausgewogenes Essen jedoch einfacher. Bei hohem Eiweiß- und Fettanteil kann eine solche Ernährung sehr gut sättigen und so nicht nur helfen, Gewicht zu verlieren, sondern auch – bei entsprechender Bewegung – Muskeln aufzubauen oder zu erhalten. Beides ist wichtig, um auch langfristig eine gute Figur zu machen.“

In einem Punkt muss ich widersprechen: Dem fett markierten Satz. Besser sollte es lauten: „[…] sie machen das gewohnte Essen jedoch einfacher.“ Äh, ja. Oder einfach ganz streichen den Satz.

Das mit der „ausgewogenen“ Ernährung kann ich schon nicht mehr hören, es ist eine Erfindung der lobbyistisch eingestellten D.G.E., die es einfach nur möglichst vielen Industriellen recht machen will mit ihren Aussagen. Ausgewogegewohnheiten_lassen-400x288n bedeutet, von allem etwas zu essen, also etwas Getreide, etwas Obst, etwas Milch etc.. Milchprodukte und Getreide sind überflüssig in unserer Ernährung, wenn wir sie essen, tun wir dies aus Gewohnheit, sozialem Druck oder aus Geschmack. Sie schmecken gut, zweifellos, aber gesundheitlich bringen sie uns (v.a. Getreide) nicht viel. Aber das mit der „ausgewogenen Ernährung“ ist bei Ernährungswissenschaftlern anscheinend Pflicht. Einer der Begriffe, der immer einfach heruntergebetet wird, ohne groß nachzudenken. Genau wie „abwechslungsreich“ oder „mediterrane Diät“. Da wirds mir schlecht 😉

 

Ansonsten hat es mich sehr gefreut, mal einen positiven Artikel über Paleo zu lesen, der nicht mit pseudowissenschaftlichen Behauptungen vollgestopft ist. Aber die werden noch folgen 🙂

 

 

Paleo goes Mainstream (?), was sagt BildDerFrau?

Hin und wieder stoße ich bei Internet-Recherchen zufällig auf Artikel über die Paleo-Ernährung bei sog. unabhängigen Nachrichten- und Gesundheitsportalen. Und was ich da teilweise lesen muss, stellt mir die Nackenhaare auf. Lieb ausgedrückt. Deswegen möchte ich jetzt einfach mal eine kleine Reihe mit Auszügen aus diesen Artikeln starten und diese nach und nach widerlegen. Das macht mir ziemlichen Spaß, euch macht hoffentlich das Lesen Spaß, und es schadet nicht, um sich gegen all die Paleo-Kritiker, die es da draußen gibt, zu wappnen.

 

Fragt mich bitte nicht, wie ich auf BildderFrau.de gestoßen bin. Achja, ich erinnere mich: Zufällig!

http://www.bildderfrau.de/diaet-abnehmen/steinzeitdiaet-d22781.html

Mir ist schon lange nicht mehr so viel Stuß auf einer einzigen Seite entgegengekommen. Man kann wirklich nur mit dem Kopf schütteln:

 

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Es ist ganz einfach: Wer mit der Steinzeitdiät abnehmen möchte, der isst nur die Lebensmittel, die es schon in der Steinzeit gab. Kalorien zählen ade!

Typisch Frauenzeitschriften. Kalorien zählen. Naserümpfend gehts also weiter:

 

Mammut, Beeren und Nüsse – die Ernährung unserer Vorfahren war recht eintönig.

Ach herrje, wer hat die Frau denn bitte an die Tastatur gelassen? Wie mich so ein kleiner Satz auf die Palme bringt. Kleine Überlegung: Es gibt in Deutschland 11 verschiedene Getreidesorten (laut Bundessortenamt), nur eine handvoll wird
bei uns hauptsächlich verzehrt: Weizen, Dinkel, Hafer, Roggen, Gerste, Mais.Obst-Gemüse Dem gegenüber stehen hunderte Obst- und Gemüsesorten (allein im gemeinen Deutschland gibt es 80 verschiedene Mainstream-Gemüse, die jeder Bundesbürger kennt. Nur Gemüse! Und nur Sachen, die in Deutschland wachsen!), Nüsse, Pilze, verschiedenste Tiere, die wir essen können (und Teile der Tiere, die wir verschieden zubereiten können), Fische und Eier. Und nur ein paar Getreidesorten auf der anderen Seite. Wer sagt, Paleo wäre eintönig, hat A) keine Ahnung von Botanik bzw. welche Pflanzen man denn so alles essen kann oder B) keine Ahnung wie man Essen zubereitet. Als ob eine Leserin der BildderFrau keine Ahnung hat, was man aus einer Tomate alles machen kann (mir fallen mindestens ein Dutzend Zubereitungsmöglichkeiten ein), plus dem gesundheitlichen Nutzen so einer tollen roten Frucht. Wer im rechtsstehenden Bild Eintönigkeit entdeckt, darf sie behalten …

 

[…]Dabei bleibt Ihnen überlassen, ob Sie Fleisch und Fisch braten oder doch lieber ganz Steinzeit-typisch muscular-man-eating-meat-smallerroh verzehren.

Bitte? Paleo bedeutet doch nicht, Fleisch roh zu essen! Wer sich ein bisschen mit Menschheitsgeschichte befasst, weiß, dass es Feuer seit ca. 700.000 Jahren gibt (älteste gefundene Feuerstellen), so meine Quellen. So lange braten wir unser Fleisch schon. Es gibt seriöse Theorien, die besagen, dass der Mensch sich zu so einem intelligenten Wesen entwickeln konnte, weil durch das Kochen/Braten von Fleisch viel mehr Energie zur Verfügung stand. Energie, die das Gehirn zum Wachsen benötigt hat.[1] Paleo-Anhänger, die Fleisch roh verzehren, haben mMn einen Schuss in der Birne.

 

[…]Doch wirft man einen genaueren Blick auf die Steinzeitdiät, dann wird schnell klar, dass es sich dabei um eine recht eintönige Angelegenheit handelt. Denn immer nur Obst, Gemüse sowie große Mengen Fleisch sowie weder Brot, noch Nudeln oder ab und an ein Stück Schokolade, ist für viele Menschen unbefriedigend.

Siehe oben. Es gibt viel mehr Möglichkeiten, zu essen. Mehr als die paar, die wir sonst haben: Brot, Brötchen, Nudeln, Reis, Gebäck. 5 Haupt-Getreide-Zubereitungs-Arten. Demgegenüber ein paar Tausend (!) Sorten Obst, Gemüse und anderem. Dass es vielen Menschen unbefriedigend erscheint, auf Gewohntes und Schokolade zu verzichten, kann ich nachvollziehen. Hin und wieder ist mir aber auch ein Brötchen zum Frühstück gestattet, oder ein Kuchen oder Eis. Allerdings bin ich da vorsichtig, weil ich weiß, wie mein Körper darauf reagiert und was es alles für biochemische Kaskaden in meinem Körper auslöst. Aber hin und stacked-chocolate-blockswieder braucht mans halt. Und die Dosis macht das Gift. Ein Brötchen pro Woche hat weniger toxische Auswirkungen als zehn.

Und Schokolade/Kakao esse ich gerne öfters. Hochprozentig, möglichst Bio und ohne zugesetzten Zucker und Milch. Ist sogar sehr gesundheitsförderlich: [2][3] [4]

 

Dazu kommt, dass die Steinzeitdiät nicht nur langweilig ist, sie kann auch gesundheitliche Schäden nach sich ziehen. Das Problem ist die zu große Zufuhr von Eiweiß. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt einem gesunden Erwachsenen, täglich 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht zu essen. Das sind etwa 56 Gramm bei einem 70 Kilogramm schweren Menschen.

Ah, das mit der DGE. Bewährtes Argument. Nur leider völlig veraltet. Robert Bock hat kürzlich in 2 sehr lesenswerten Artikeln die 10 „nach aktuellster Forschung“ Regeln zur gesunden Ernährung der DGE analysiert. [5] [6] Die DGE ist ein Lobby-Verein, der nicht nach wissenschaftlichen Erkentnissen, sondern wirtschaftlichen Interessen handelt und veröffentlicht. Dass mehr als 50g Eiweiß am Tag Nierenschaden und so Käse bewirken soll, ist nicht haltbar:

-Eine eiweißreiche Ernährung ist förderlich bei Gewichtsverlust: [7]
-Eiweiß hat eine hohe sättigende und appetitzügelnde Wirkung, was im Alltag und beim Abnehmen hilfreich ist: [8]
-Es gibt keinen (keinen!) Zusammenhang zwischen eiweißreicher Ernährung und Nierenschaden. Nicht einmal bei Nierenkranken: [9] [10]
-Eiweiße sind wichtig für eine gute Knochendichte, v.a. bei älteren Menschen [11]
-Die Netto-Kalorienzahl, die Eiweiße bringen sollen, muss, wenn realistisch, um ca. 25% gesenkt werden, da dieser Betrag beim Verstoffwechseln der Eiweiße einfach verheizt wird. Stichwort Thermogenese: [12]

Außerdem widerlegt: Eiweiße sorgen nicht für Harnsäureablagerungen in den Gelenken, welche z.B. Rheuma begünstigen.protein-rich-foods_fat
Es gibt Hinweise, dass die Empfehlungen mit ca. 50g Eiweiß pro Tag und Person eine Untergrenze ist, um keine Muskeln abzubauen. Also sind mehr als 50g pro Tag keine Gefahr.Laut aktueller wissenschaftlicher Lage sind bis 200g Eiweiß/d für die Nieren machbar.

 

Und ein Gedanke meinerseits: Der Mensch ist ein omnivore. Er ist an das Fleischessen (und somit hoher Eiweißkonsum) angepasst. Und das schon seit 3 Millionen Jahren. Welchen Sinn macht eine Eiweiß-Restriktion in der Ernährung da?

 

 Bei der Steinzeitdiät soll etwa 35 Prozent des täglichen Energiebedarfs mit Eiweiß gedeckt werden. Das sind etwa 130 Gramm, fast das Dreifache der von der DGE empfohlenen Menge. Zu viel Eiweiß begünstigt die Entstehung von Arteriosklerose, eine Verkalkung der Gefäßwände.

Das habe ich wirklich noch nie gehört. Sehr interessant, sehr belustigend 🙂 Neuerdings setzt sich Protein in den Arterien ab und verstopft sie.-  Moment mal, Arterien bestehen aus Protein? – Na sowas 😉

Die Steinzeitdiät ist wissenschaftlich nicht belegt.

Es gibt längerfristige Studien, die das belegen. Nur nicht so viele, da Paleo bzw. Jäger und Sammler-Kulturen, die noch existieren, nicht so gut erforscht sind wie westliche Ernährungsbestandteile. Was aber umfangreich erforscht ist, sind die Komponenten von Paleo (Obst, Gemüse, Fleisch, …) und ihre positiven Effekte auf unsere Gesundheit. Wenn man diese Komponenten addiert (und die zugehörigen Studien), hat man den allumfassenden wissenschaftlichen Beweis dafür. Nur leider sind Paleo-Kritiker dazu leider häufig viel zu faul. Behaupten geht nun einmal schneller als informieren.

Wofür es allerdings Beweise gibt, ist, dass Low-Carb sehr viel besser für die Gesundheit/Blutbild/Abnehmen ist als High-Carb:

[13]
Low-Carb kann das Krankheitsbild von Typ 2 Diabetes signifikant verbessern: [14] [15]
Sowie weitreichende Verbesserungen beim Metabolischen Syndrom erreichen: [16]
Es ist sogar als die Diät/Ernährungsform ernannt worden, mit dem man am besten Gewicht verlieren kann: [17]

Trotzdem: So ganz können wir die Vorbildfunktion unserer Vorfahren nicht von der Hand weisen. Immerhin haben sie sich viel bewegt, was sicherlich einer der Gründe für die fehlenden Gewichtsprobleme war.

Als Happy-End gedacht, und um uns Paleo-Anhänger milde zu stimmen. Und um wenigstens einen Vorteil über diese Lebensform zu erhalten. „was sicherlich einer der Gründe“ was sind denn die anderen Gründe außer Bewegung? Die viele Sonne? Sicher, Bewegung und Sonne sind allein entscheidend für eine gute Figur. Ernährung? Nebensächlich.

 

Ich hoffe, euch hat dieser Artikel genauso belustigt wie mich. Manchmal kann man wirklich nur mit dem Kopf schütteln 🙂

 

Was sind eure Erfahrungen mit Artikeln über Paleo? Was dürft ihr euch in Freundes-/Bekanntenkreis darüber anhören und welche Vorurteile bekommt ihr mit?

Ich bitte um fleißig Kommentare und Feedback 🙂