Welt.de über Paleo

 Teil 3 meiner Reihe und meines Stöberns nach Paleo-kommentierenden Artikeln im WWW. Heute wieder etwas länger, aber nicht erschrecken, es lohnt sich 🙂

 

Frisches Obst, Eier und jede Menge Fleisch – das sind die Grundlagen der Steinzeit-Diät, die in den USA immer mehr Anhänger findet. Gegessen werden dabei nur Nahrungsmittel, von denen sich bereits unsere steinzeitlichen Vorfahren ernährten, bevor sie sesshaft wurden.

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Fällt euch was auf? Das erste, was immer über Paleo kommt, ist das mit dem vielen Fleisch. Als ob wir uns nur von Fleisch ernähren würden. Ich selbst esse an max. 4 Tagen in der Woche Fleisch, hin und wieder lege ich auch vegetarische (dann aber 10 Eier am Tag 😉 ) oder vegane Tage (nur Obst und Gemüse) ein.

Die Befürworter sehen die Ur-Kost als wirksamen Schutz gegen Zivilisationskrankheiten wie Herzleiden,Übergewicht und Diabetes. […] Eine in der Fachzeitschrift „Journal of Diabetes Science and Technology“ veröffentlichte Studie etwa sieht als Folge der Steinzeit-Speisen verbesserte Blutzuckerwerte und ein vermindertes Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Dass es gesund ist,  ist erwiesen. Paleo (Low-Carb) heizt den Stoffwechsel an und enthält massig Nährstoffe [1], ist einer der, wenn nicht der effektivste Weg, Gewicht zu verlieren [2], hilft beim metabolischen Syndrom [4] und zahlreichen anderen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes [5]

Die Paläo-Diät wird von einigen Wissenschaftlern und Fitness-Gurus geschätzt. […] Die Theorie der Steinzeitdiät beruht auf der Annahme, dass die kohlenhydratarme Ur-Kost Gesundheit und Gehirnfunktionen des frühen Homo Sapiens gestärkt und somit die Entwicklung zum modernen Menschen begünstigt habe. Die Anhänger dieser Ernährungslehre verweisen darauf, dass das menschliche Erbgut seit der Steinzeit weitgehend unverändert ist – und die menschliche Präferenz für viel Fleisch somit in den Genen verankert ist.tumblr_m1htb0oEAs1rsyh9eo1_500

Dass der Mensch der geborene Fleischesser ist, sieht man auch an der Form und Länge seines Darms. Der ist im Laufe der Evolution immer kürzer geworden, weil sich der Mensch vom reinen Pflanzenesser (langer Darm) zum Omnivore (zwischen kurzem Darm eines reinen Fleischessers und langem Darm eines Pflanzenessers) entwickelt hat. Wer Zeit hat, hier ein schöner englischsprachiger Artikel zum Thema Fleisch [6]

(Übrigens: Die Wissenschaft streitet noch darüber, aber es sieht danach aus, dass, wenn überhaupt, verarbeitetes rotes Fleisch für die vielen Krankheitsrisikos (Herz-Kreislauf, Gefäßerkrankungen, Schlaganfall) verantwortlich ist. Allerdings ist selbst das umstritten. Solange man sein Fleisch unverarbeitet isst (z.B. keine Wurstwaren), ist man aber auch der sicheren Seite) [7] [8]

 Laut einer schwedischen Untersuchung, erschienen in der Fachzeitschrift „Journal Nutrition and Metabolism“, sättigt die Ur-Kost pro Kalorie sogar besser als die als besonders gesund geltende Mittelmeer-Diät und beugt damit Übergewicht vor.

Weil im Unterschied zur Mittelmeer-Diät auf energiereiches und nährstoffarmes Getreide verzichtet und durch bessere Nahrungsmittel ersetzt wird. Die Mittelmeer-Diät ist übrigens eine Erfindung von Ancel Keys, jenem Wissenschaftler, dem wir durch die berühmt-berüchtigte 7-Länder-Studie die Anti-Fett-Hysterie der letzten 60 Jahre zu verdanken haben.[7] Die Idee mit der Mittelmeer-Diät beruhte auf seiner Beobachtung, dass es in Italien und auf Kreta überdurchschnittlich viele Hundertjährige gab, was auf die Ernährung, welche arm an tierischem Fett ist, zurückzuführen sei. Das war nur eine Beobachtung und Vermutung, wie gesagt. Wissenschaftlich komplett unfundiert. Attila Hildmann ist in das „Dorf der Hundertjährigen“ in Italien gereist und ist dem nachgegangen. Er schreibt viele Gründe, warum die Menschen dort so alt werden, die tierischen Fette werden in keinem Satz erwähnt (Nachzulesen in seinem Buch „Vegan for Youth“). Das ist mal ein anderer Artikel wert.

Außerdem gibt es in Italien vielleicht mehr überdurchschnittlich alte Menschen, aber die Lebenserwartung von Deutschland und Italien ist in etwa gleich groß [10]

Umstritten ist dagegen der Verzicht auf die meisten Getreideprodukte und Milch bei gleichzeitiger Präferenz für proteinreiche Fleisch- und Fischgerichte. [..] dass bei der Steinzeit-Diät nur 23 Prozent der Kalorien von Kohlenhydraten stammten – deutlich weniger als die 45 bis 65 Prozent, die von der US-Regierung empfohlen würden. Zugleich würden die Werte für Proteine und Fette die Empfehlungen übersteigen.

Komplett unsinniges Argument. Natürlich entspricht die Steinzeiternährung nicht den aktuellen Ernährungsempfehlungen, wir leben schließlich nicht mehr in der Steinzeit, sondern modern, mit moderner Ernährung (und modernen Empfehlungen). Einer Ernährung, die zu 72% (Prof. Cordain) aus Essen besteht, an das unser Körper nicht angepasst ist (Zucker, Alkohol, Getreide, Hülsenfrüchte, Milchprodukte). Außerdem kommen die heutigen Ernährungsempfehlungen von lobbyistisch eingestellten, meinungsbildenden Institutionen wie der D.G.E. oder, wie in den USA, der USDA. Das und warum eine proteinreiche Ernährung nicht schädlich für uns ist, in Teil 1 meiner Reihe (Link ganz oben).

Marion Nestle, Ernährungswissenschaftlerin an der New York University,[…] bezweifelt [.], dass in der Steinzeit tatsächlich die Hälfte der Kalorien durch den Konsum von Fleisch aufgenommen worden seien, wie von Anhängern dieser Ernährungsweise behauptet wird.

Es gibt viele Gruppierungen einer jeder Szene, auch der Paleo-Szene. Es gibt immer Fanatische, die teils repräsentativ sein wollen/sind für die ganze Szene. Es ist keine reine Fleischernährung, es hat auch nie jemand Regeln aufgestellt, wieviel Prozent unserer Ernährung aus Fleisch, wieviel aus Gemüse etc. stammen sollen. Man soll auf seinen Körper und seine Gelüste hören, das sagt einem meist, was der Körper gerade braucht.

Schließlich habe die Lebenserwartung der Menschen in der Steinzeit nur rund 25 Jahre betragen. Die Ernährung, neben den anderen Lebensumständen, sei also „alles andere als ideal“ gewesen, schreibt die Wissenschaftlerin in einem Forschungsaufsatz.

 

Ein Kommentar?

Facepalm

Mein Lieblingsargument gegen Paleo. Ich habe darauf gewartet, und es würde den Rahmen sprengen, ausführlich zu erläutern, warum das gerade FALSCH ist. Ich versuche es kurz und stichpunktartig:

– 25-30 Jahre Lebenserwartung ist eine statistische Betrachtung. Die Kinder- und Säuglingssterblichkeit war damals um ein vielfaches höher als heute. Es leben 2 Menschen, einer stirbt im Alter von 2 Jahren durch einen Säbelzahntiger, der andere wird 60 Jahre alt, bis er sich ein Bein bricht und an einer Blutvergiftung stirbt. Statistisch wurden diese 2 Menschen im Schnitt nur 31 Jahre alt. So kommt man auch irgendwie auf den Wert 25 Jahre, er ist statistisch. Die Sterblichkeit war damals viel höher, weil:

– es gab keine Medizin/Ärzte/Krankenhäuser, wenn man krank/verletzt war oder ein Kind bekam

– es gab keine hygienischen Einrichtungen, die Notdurft wurde verrichtet, ohne Händewaschen wurde dann erst im Kadaver des erlegten Tieres herumgepfuscht, dann wurde mit den Händen gegessen.

– es gab keine längerfristigen verlässlichen Unterkünfte. Höhlen und Lagerfeuer damals. Heizung und warme Häuschen heute.

– es gab natürliche Feinde wie Tiere, Natur und feindliche Stämme. Heute gibt es den Nachbarn, seinen Hund sowie Dieter Bohlen.

– wenn man Hunger hatte, musste man Jagen und Sammeln gehen. War dies nicht erfolgreich, gab es nichts zu Beißen. Ist man heute hungrig, ist der nächste Supermarkt nur einen Steinwurf entfernt

– …

das könnte noch sehr viel länger gehen, ihr versteht, worauf ich hinaus will, oder? Die Gründe, warum die Menschen statistisch nicht alt wurden, werden wohl kaum (bzw. nicht vorrangig) an der Ernährung gelegen haben. Anthropologische Untersuchungen ergaben, dass unsere Vorfahren, wenn sie das kritische Kind- und Jugendalter überlebt haben, sehr alt werden konnten und noch im Alter kräftig und fit waren.

 

Danke für eure Aufmerksamkeit 🙂 Wappnet euch gegen schlechten Journalismus und Widersacher, sie lauern an jeder Ecke! 😉

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